November 2016 bis Januar 2017: Der Medienüberblick

Zum Jahreswechsel 2016/2017 waren die Medien voll mit Beiträgen zu digitalem Nachlass und neuen Entwicklungen in der Trauerkultur. Alljährlich gibt vor allem der November mit Allerheiligen, Volkstrauertag und Totensonntag Anlass, über die Tabuthemen Tod und Trauer zu sprechen. 

Fernsehen

Am 24.11.2016 berichteten die Tagesschau (17 Uhr) und NDR//Aktuell (21.45 Uhr) über digitalen Nachlass – das NDR-Kamerateam war auch auf der #digina16 zu Gast. Die Beiträge sind leider schon aus der Mediathek verschwunden, nur den ergänzenden Textbeitrag gibt es beim NDR noch zum Nachlesen.

„Sich ernsthaft auf den Tod im Netz vorbereiten“

Am 27.12.2016 wurde ein dreieinhalbminütiger DAS!-Beitrag von Katrin Hafemann zum Thema ausgestrahlt. „Digitales Erbe: Was für Spuren bleiben nach dem Tod?“ (DAS! – 27.12.2016 18:45 Uhr) lässt Kai Lociks zu Wort kommen, Bestatter und Vorstand des Verbands unabhängiger Bestatter. Außerdem werden Websiteausschnitte von Columba und Digitales Erbe Fimberger eingeblendet.

Unterhaltung

Auch im Unterhaltungsbereich spielte das Thema digitaler Nachlass eine Rolle, z.B. im Bremer Tatort „Echolot“ (30.10.2016). Zu diesem gibt es eine lesenswerte Rezension bei fensal.org: Hier wird auch thematisiert, dass ein inhaltlich recht ähnlicher Stuttgarter Tatort („HAL“) zwei Monate vorher lief. Während sich die die Kommissare beim Tatort vor allem mit Big Data und KI herumschlagen, ist bei der „Ein Fall für zwei“-Folge Glamourgirl (11.11.2016) ein etwas zwielichtiger Startup-Gründer im Bereich digitaler Nachlass unter den Verdächtigen.

Zeitschriften

In den letzten Monaten widmeten sich auch auffällig viele Technik-Magazine dem Thema Tod, unter anderem die t3n, die Wired und das Spielemagazin WASD (wir berichteten über die online verfügbaren Artikel):

Wiedergeburt der Unsterblichkeit

Rezensionen folgen. Ein erster Eindruck: Digitaler Nachlass spielt in keinem der Themenhefte die Hauptrolle. Im Vordergrund stehen bei t3n und Wired der Gegensatz von analogem Tod und ewigem Leben durch Technologie und Digitalisierung (Stichworte: Transhumanismus, künstliche Intelligenz).

Die „Digitalisierung hat dem Unsterblichkeitstrend eine Wiedergeburt verschafft. Es scheint, als wolle die Tech-Szene das letzte Mysterium der Menschheit überwinden.“ (Vanessa Köneke, t3n 46/17, S. 43)

Allerdings: Ohne digitale Nachlässe wären diese Experimente (Verstorbenen-Chatbots alias Gonebots, Hologramme, KIs) nicht möglich. Dafür braucht man möglichst viele Daten, von Audiomitschnitten über Filmmaterial bis zu Textnachrichten des Verstorbenen.

Auch in der (im Januar erhältlichen) Februarausgabe von NEON grüßt der Chatbot: Hier erscheint die deutsche Übersetzung von Casey Newtons Verge-Artikel „SPEAK, MEMORY – When her best friend died, she rebuilt him using artificial intelligence (s.a. Monatsrückblick Oktober).

Zeitungen, Online-News und Co. 

Die Berichterstattung der klassischen Tages- und Wochenzeitungen zu Tod und Digitalisierung setzt sich ebenfalls fort. Einerseits ist es schön, dass man das Thema ernst nimmt; andererseits schade, dass es oft nicht sehr tiefschürfend behandelt wird. Die Artikel ähneln sich, wenige führen neue Interviewpartner (wie z.B. Wilhelm Bühler) oder neue Rechercheergebnisse auf. Man kann Angelika Wohovsky nicht widersprechen, die das Niveau der Berichterstattung kritisiert.

Bitcoin: Vorsorge für Kryptowährungen 

Mal ‚was Neues gab es bei Coinwelt (16.01.2017) zu lesen: Ein Autor, der v.a. Bitcoin verdient, erklärt seine Vorsorgestrategie. (Der Originalartikel erschien im Blog von Bitcoin.com.)

Obamas Twitter-Account bleibt auch nach 2016

Mit dem Jahr 2016 geht auch der @POTUS44 Obama
Mit dem Jahr 2016 geht auch der @POTUS44 Obama

Um das Thema digitales Erbe ohne Todesfall drehte es sich in den USA: „Die Obamas vererben ihre Twitter-Accounts – ohne Tweets“, schrieb die Süddeutsche. Denn im digitalen Zeitalter gehören zur US-Machtübergabe auch die Accounts @Potus (President of the United States) und @Flotus (First Lady of the United States). Angesichts der Regentschaft des Twitter-Präsidenten, der seinen 140-Zeichen-Volksempfänger gegen die „Fake News“-Medien in Stellung bringt, verblasst das Interesse an Websites wie whitehouse.gov, den Instagram- und Facebook-Accounts. 

Das Problem an der Account-Übergabe: Die Konten sind natürlich mit Inhalten gefüllt, namentlich mit den Tweets und Fotos, den Videos und Statements der Obama-Regierung. Die Lösung am 20.01.2017: Obamas Präsidenten-Tweets wurden auf den Account @POTUS44 verschoben. Wer dem bisherigen Account @POTUS folgte, folgt automatisch @POTUS44, nicht aber dem neuen Trump-Account. Vielleicht macht das Modell ja auch für die postmortale Fortführung anderer wichtiger Accounts Schule?

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