Wie finde ich alle relevanten Online-Accounts eines Verstorbenen?

Wie schon hier beschrieben, ist es oft eine Herausforderung für Hinterbliebene, herauszufinden, welche Accounts der Verstorbene hatte. Aber erst mit diesen Informationen ist es möglich, eine Nachlass-Strategie zu erarbeiten, an Anbieter und Provider heranzutreten und Daten zu sichern oder zu löschen. Ein Tipp: Am besten dokumentiert man alle gefundenen Seiten, etwa mit dem Link zur Seite und eventuell einer entsprechenden Bezeichnung. Dafür genügt eine Textdatei oder ein Word- oder Open-Office-Dokument.

Bestandsaufnahme: Was liegt vor?

Um alle Accounts zu finden, ist es sinnvoll, alle zugänglichen Bestandteile des digitalen Nachlasses zu sammeln und zu sichten.

Achtung! Im Folgenden ist unbedingt zu beachten, dass Angehörige bei der Recherche auf höchstpersönliche Informationen des Verstorbenen stoßen könnten – auch auf Informationen, die selbst die nächsten Angehörigen nichts angehen oder von denen diese lieber keine Kenntnis hätten. Zudem ist ungeklärt, welche Rechte Erben oder Hinterbliebene im Umgang mit den Mails eines Toten haben.

Im schlimmsten Falle könnte dieses Eindringen in die höchstpersönliche Schutzzone weitere unschöne Erlebnisse produzieren oder sogar strafbar sein. Im Zweifelsfall bietet sich juristischer oder seelsorgerischer Rat an.

Es bietet sich an, folgende Punkte zu überprüfen:

  • Hat der Verstorbene eine Accountliste angelegt? Eine solche Liste stellt die Grundlage jeder digitalen Nachlassvorsorge dar. Möglicherweise findet sich eine solche Liste bei den wichtigsten Dokumenten des Verstorbenen oder in der Nähe des Arbeitsplatzes. Auch ein Notizbuch oder Heft mit Passwörtern ist unter Computernutzern verbreitet.
  • Nutzte der Verstorbene einen Passwort-Manager wie Lastpass, Keypass oder 1Password, finden sich hier vermutlich alle Accounts sowie die zugehörigen Passwörter. Passwort-Manager beruhen allerdings auf dem Versprechen, die Passwörter der Nutzer ausreichend zu sichern, sodass meistens ohne das Master-Passwort kein Zugriff möglich ist: Die Hinterbliebenen stehen dann vor dem Problem, ohne Passwort nicht an die Passwörter zu kommen.
  • E-Mails sind ein weiterer guter Ausgangspunkt für die Recherche. Falls die Logindaten unbekannt sind, sind diese ggf. über ein Mailprogramm auf dem Rechner (z.B. Mozilla Thunderbird) oder dem Smartphone offen zugänglich. In den E-Mails des Verstorbenen finden sich häufig Hinweise auf genutzte Shops, Networks und andere Services. Diese können sich bspw. auch im Papierkorb/Trash des Mailkontos befinden.
  • Hat der Verstorbene eventuell mit Hilfe eines Dienstes wie Columba, exmedio oder Internet Data Delete Vorsorgemaßnahmen getroffen? In diesem Fall wenden sich Angehörige am besten an den Bestatter oder an die Unternehmen selbst, um weitere Schritte zu besprechen.

Detektivarbeit: Browserhistorie, Smartphones, Abrechnungen

Bild mit Papierstapel und Schriftzug "Abrechnungen"Was sich durch die bisherigen Schritte nicht finden ließ, muss in akribischer Detektivarbeit gefunden werden. Achtung: Beachten Sie, dass Sie dabei gegebenenfalls tief in die Privatsphäre des Verstorbenen (und seiner Kontakte) eindringen und Sachen finden könnten, die Sie nichts angehen. Zudem gibt es bei all diesen Maßnahmen keine Erfolgsgarantie.

  • Die Browserhistorie auf dem Rechner des Verstorbenen kann Aufschluss darüber geben, welche Seiten er besucht hat. Wie man in verschiedenen Browsern die History liest, wird in diesem Artikel beschrieben: http://de.wikihow.com/Browserverlauf-anzeigen-lassen
  • Auf dem Smartphone kann überprüft werden, welche Apps der Verstorbene genutzt hat. Wenn Apps wie Pinterest, Instagram, Twitter, Facebook, Messenger, WhatsApp und Co. zu finden sind, ist davon auszugehen, dass diese Dienste auch genutzt worden sind und der Verstorbene dort ein Konto besaß. Zudem ist vermutlich auch ein Zugriff auf Accountfunktionen möglich.
  • In Rechnungen oder auf Bankauszügen finden sich häufig ebenfalls Hinweise auf Online-Konten. Viele Apps und Services bieten nämlich kostenpflichtige Premium-Funktionen an, bspw. Business-Netzwerke wie Xing, Notizbücher wie Evernote, Feedreader wie Feedly und Produktivitätssoftware wie Trello.

Webrecherche

Um weitere Accounts zu finden, ist eine umfangreiche Webrecherche nötig. Das ist auch der Fall, wenn die oben genannten Wege fehlschlagen oder nicht gangbar sind, etwa, weil kein Zugang zur Hardware möglich ist.

  • Viele Recherchen beginnen bei Google. Den Namen des Verstorbenen und eventuell bekannte Spitznamen, Pseudonyme und Aliase zu googlen, kann bereits auf viele Accounts aufmerksam machen.
  • Danach hilft es oft weiter, Links zu verfolgen, die sich in Social-Media-Profilen und auf Websites finden. Das Web (und insbesondere das Social Web) lebt von Querverweisen und Verlinkungen. Auf der Website oder im Blog findet sich möglicherweise ein Link zum Twitter-, reddit- oder Dating-Profil.
  • Außerdem hilft es, gefundene Profile in Social Networks weiter zu durchsuchen. Freundschaften, gelikete Seiten und geteilte Inhalte geben möglicherweise Rückschluss auf weitere Mitgliedschaften und Accounts.

Professionelle Hilfe

Dienste wie Columba bieten als zentrale Dienstleistung an, die Online-Konten Verstorbener ausfindig zu machen, zu verwalten und ggf. zu löschen. Dies kann nützlich sein, schließt aber nicht aus, dass bestimmte Accounts nicht gefunden werden. Eine individuelle Recherche ist unumgänglich, wenn man wirklich alle Bestandteile des digitalen Erbes ausfindig machen und würdevoll “bestatten” will.

Was nicht auffindbar ist

Prinzipiell gilt: Wenn der Verstorbene nicht wollte, dass bestimmte Lebensbereiche zu oder nach seinen Lebzeiten gefunden werden, ist es sehr schwer, diesen auf die Spur zu kommen. Je nach technischer Sachkunde des Verstorbenen haben Hinterbliebe wenig bis keine Chance, diese zu finden oder auszuwerten. So traurig diese Nachricht sein mag, ist es in diesen Fällen vermutlich besser, die Wünsche des Verstorbenen zu respektieren und diese Lebensbereiche ruhen zu lassen.

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