Der Ritt auf der Sensen langer Schneide: So gründet man ein Startup of Death (Gastbeitrag)

Chrisoph Huebner hatten wir bereits letztes Jahr zu seinem Startup exmedio im Interview. Inzwischen hat er im Rahmen der Allianz Ventures den Vorsorgeservice anera (Website) aus der Taufe gehoben. Als Vertreter von anera ist er auch als Teilnehmer der Podiumsdiskussion auf der digina.16 dabei. Wir haben ihn gebeten, seine Eindrücke als „Gründer eines Todesstartups“ zu Papier zu bringen. Vielen Dank für diesen Gastartikel!

Die Geschichte von anera ist eine Startup-Story, wie man sie dieser Tage vieler Orten lesen kann: Ein Gründer, der seit langem mit einer Idee schwanger geht, Irrungen und Wirrungen auf dem Weg zum richtigen Team, zum richtigen strategischen Partner und zu passenden Marktzugängen. Finanzierung, Internationalisierung, Glorifizierung. You name it.

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digideath.de – Rechtsanwalt Thilo Zachow im Interview

Beitragsgrafik: Unbeschriftete Wegweiser vor Himmel mit Wolken

Thilo Zachow ist Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt IT- und Medienrecht. Unter digideath.de bietet er seine Dienste auch speziell in der digitalen Nachlasspflege an: Laut Beschreibung geht es bei digideath um den Umgang mit Daten und Äußerungen im Internet und den digitalen Nachlass. Grund genug, Thilo Zachow zu interviewen!

Herr Zachow, bei unseren Recherchen sind wir auf Ihrer Seite gelandet – die URL digideath.de hat eine klare Aussage und ich hätte zuerst eine Vor- oder Nachsorge-Plattform erwartet. Sie sind allerdings Rechtsanwalt. Wann und warum haben Sie sich auf digitalen Nachlass spezialisiert?

Thilo Zachow, Fachanwalt für IT-Recht
Thilo Zachow, Fachanwalt für IT-Recht

Die Spezialisierung hängt damit zusammen, dass ich als IT- und Urheberrechtler in der Praxis im Jahr 2014 mit den ersten Fällen konfrontiert wurde. Ich weiß noch, dass mich ein sehr kranker Mandant aufsuchte, der die außerordentliche Beendigung eines Internetsystemvertrags wünschte und ich das gegenüber dem Anbieter mit einem aus dem Mietrecht entliehenen Sonderkündigungsrecht bei dem Tod des Mieters begründete. Der Anbieter ging auf die Argumentation ein und die Erben mussten nicht in das Dauerschuldverhältnis des Erblassers zum Anbieter eintreten. Ein weiterer Fall betraf eine Witwe, deren verstorbener Ehemann im Internet diffamiert wurde.

 

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„Wir schieben die Vorsorge auf“: Interview mit Evan Carroll von „The Digital Beyond“

Screenshot: The Digital Beyond

Mit „The Digital Beyond“ (Website) von Evan Carroll und John Romano gibt es bereits seit einigen Jahren eine englischsprachige Web-Quelle zu digitalem Nachlass. Die beiden haben ebenfalls ein Buch mit dem Titel „Your Digital Afterlife“ herausgegeben. Wir haben Evan Carroll, den „ersten Autor zu digitalem Nachlass“, einige Fragen gestellt. 

(English version below.)

Evan Carroll
Evan Carroll

Bitte erzählen Sie uns in zwei Sätzen: Wer sind Sie, was ist The Digital Beyond und was haben Sie mit digitalem Nachlass zu tun?

Ich bin Autor und Mitgründer von „The Digital Beyond“, der ersten Online-Quelle, die sich ganz dem digitalen Nachlass verschrieben hat. Außerdem bin ich Co-Autor des ersten Buches über digitalen Nachlass, „Your Digital Afterlife“.

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Computerarchäologie und digitaler Nachlass: Interview mit Dr. Stefan Höltgen

Artefakt der Computerarchäologie: Restaurierter Exidy Sorcerer Völz

Dr. Stefan Höltgen (privat) ist bekannt für seine Beschäftigung mit Computerarchäologie. Wir haben ihm einige Fragen zu Exponaten aus Nachlässen, Spuren Verstorbener und zur Technikgeschichte gestellt. Zudem hat er uns einen Einblick in die Sammlungen der HU Berlin gewährt und einige Fotografien von Exponaten, Nachlässen und „Vor-Lässen“ zur Verfügung gestellt.

Herr Dr. Höltgen, die Methodik Ihrer Medien- und Computerarchäologie zielt nicht auf die Vergangenheit, sondern auf die Gegenwart.

Dr. Stefan Höltgen
Dr. Stefan Höltgen

Sehr richtig. Medien- und Computerarchäologie hat zunächst einmal nichts mit dem akademischen Fach „Archäologie“ zu tun, das sozusagen als Hilfswissenschaft für die Geschichtsschreibung Artefakte ausgräbt. Archäologie, wie wir sie meinen, basiert auf dem Konzept Michel Foucaults, der Ende der 1960er-Jahre versucht hat, die Geschichtsschreibung auf ihre Macht-Dispositive zu untersuchen und zu fragen, welche Mechanismen stecken eigentlich hinter Geschichtsschreibung, die Geschichte so (und nicht anders) produziert, die auf bestimmte Archivgegenstände zurückgreift (und andere ignoriert), die bestimmte Argumentationsmuster und Stilmittel verwendet, um aus den kontingenten vergangenen Ereingnissen Wissen zu generieren. Dass sich diese Vorgehensweise nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch auf die Gegenwart anwenden lässt, dürfte klar sein.

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Digitales Erbe Fimberger im Interview

„Digitales Erbe Fimberger“ (Website) kümmert sich im Auftrag von Unternehmen und Hinterbliebenen um Datenforensik, Spurensuche und die digitale Nachlassverwaltung. Wir haben mit Marie-Theres Fimberger und Armin Wagner über die Herausforderungen der Nachsorge und die Möglichkeiten der Vorsorge gesprochen!

Wer sind Sie und wie haben Sie mit digitalen
Nachlässen zu tun?

Wir sind das „Digitale Erbe Fimberger“ und seit 2013 offiziell, erfolgreich am Markt. Wir arbeiten Seite an Seite mit Bestattern in und um München und seit neuerstem auch mit einer neuen Niederlassung im Großraum Frankfurt zusammen. Aus Österreich und der Schweiz kommen immer mehr Anfragen bei uns an. Das digitale Erbe Fimberger kümmert sich von A bis Z, von der digitalen Vorsorge hin bis zum digitalen Nachlass. Das digitale Erbe eines Menschen enthält oft große persönliche oder materielle Werte auf Geräten und im Netz.

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Die Virtualisierung des Friedhofs am Beispiel von Friedhofguide.de

Friedhofguide.de: Headergrafik

Neben digitalem Nachlass befasst sich digital.danach auch allgemein mit dem Thema „Tod im Zeitalter der Digitalisierung„. Dabei spielt der Friedhof als klassischer Ort des Gedenkens und Trauerns eine zentrale Rolle.

Ein vorausdenkendes Beispiel, wie die Virtualisierung des Friedhofs vonstattengehen kann, kommt von Claus Schmid (den wir zu seinem Portal VorsorgePlattform24 bereits interviewt hatten): Friedhofguide.de (Website) ist eine Online-Plattform, die es – im Gegensatz zu den bisherigen, zentral aufgebauten Systemen – jedem registrierten Benutzer oder Dienstleister erlaubt, u.a. virtuelle Friedhofs-Touren und „digitale Familienfriedhöfe“ zu erstellen. Wir haben uns die bisherigen Funktionen einmal genauer angesehen.

Rundgänge und die Verknüpfung von Gräbern

Ein zentrales Feature von Friedhofguide ist die Möglichkeit, Grabinformationen virtuell zu erfassen, aufzubereiten und neu zugänglich zu machen. So lassen sich „am Grab“ auch Metadaten hinterlegen, etwa die URL einer Gedenkseite, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe o.ä.

Claus Schmid dazu:

Zentrale Funktion von FriedhofGuide.de ist die Erfassung der Grabinformation inklusive ihrer geographischen Position durch registrierte Anwender. Hierdurch ergeben sich weitere Möglichkeiten, z.B. der Aufruf von Gedenkseiten am Grabmal, die Navigation vom aktuellen Standort zur gesuchten Grabstelle und die Verknüpfung von Gräbern zu einem virtuellen Friedhofsrundgang („Persönlichkeiten unserer Stadt“). In Summe entsteht ein umfangreiches Informationssystem rund um Gräber und Friedhöfe (real und virtuell), an dem jeder Berechtigte mitgestalten kann.

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„Erinnerungsartefakte sollten sichtbar sein“: Über digitales Erinnern

Digitales Erinnern: Fragmente und Artefakte

Auf der re:publica 2016 ergab sich ein Gespräch mit Stephanie Neumann und Katja Böhme, deren Session „Things to remember“ das Erinnern in Zeiten der Digitalisierung beleuchtete. Wir haben den beiden Referentinnen einige Fragen rund um Erinnerungs- und Trauerkultur gestellt.

Wie kamen Sie auf das Thema „digitales Erinnern“?

Wir haben festgestellt, dass wir zunehmend Dinge, die uns etwas bedeuten, nur noch in digitaler Form haben, etwa Postings, Bilder oder Chat-Kommunikationen. Wir suchen aber noch geeignete Formen beim Erinnern mit diesen Artefakten, wie wir sie im Umgang mit physischen Erinnerungsdingen kennen: Die Uhr des Großvaters, die wir immer bei uns tragen, der Stein in der Hosentasche, der uns an einen Urlaub erinnert, die Kiste mit den gesammelten Briefen und Fotos aus alten Zeiten. Wir haben uns gefragt, wie wir mit den uns wichtigen digitalen Artefakten angemessen erinnern können. Was uns bisher noch fehlt, ist quasi eine „digitale Schatztruhe“.

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