Die Vorsorge für meinen digitalen Nachlass – eine Skizze

Wir werden immer wieder gefragt, ob und wie wir denn unsere digitale Vorsorge geregelt haben. Daher skizziert Dennis Schmolk in diesem Beitrag, wie seine persönliche Vorsorgeplanung für seinen Tod funktioniert.

Meine Anforderungen an eine digitale Daten-Vorsorge

Es gibt inzwischen viele Möglichkeiten, für den Fortbestand seiner Daten nach dem Tod zu sorgen. Darunter fallen Vorsorgedienstleister, aber auch der klassische Weg zum Anwalt. Um zu entscheiden, in welcher Form man vorsorgt, sollte man daher ein paar Kriterien abklopfen.

Für meine persönliche Vorsorge sind mir die folgenden Punkte wichtig:

  • Digital und vernetzt: Ich bin viel unterwegs und kann nicht absehen, wann und wo sich Daten, Logins oder Wünsche ändern. Daher muss die Lösung digital und überall zugänglich sein.
  • Sicherheit: Ich möchte meine digitale Verfügung und insbesondere meine Logins nicht irgendwo im Klartext hinterlegen. Daher kommt nur eine vollverschlüsselte Lösung in Frage.
  • Kontrolle: Ich möchte diese Daten keinem Dritten übergeben. Selbst bei voller Verschlüsselung bleibt ein Restrisiko, dass die Verschlüsselung schlecht implementiert ist, und es niemand merkt. Diese Gefahr reduziert sich, wenn man sich selbst um die Technik kümmert und Open-Source-Software verwendet, deren Code regelmäßig von einer Community gepflegt wird.
  • Einfache Nutzbarkeit: Ich bin bereit, beim ersten Einrichten Zeit aufzuwenden, aber wenn die Infrastruktur steht, sollte sie möglichst wartungsfrei funktionieren. Außerdem sollte sie in meinen Arbeitsalltag integriert sein – dadurch steigt auch die Chance, dass die Daten im Fall der Fälle aktuell sind.

Meine Lösung: Nextcloud + Keepass

Bereits vor einigen Monaten habe ich bei der Übersicht „Tools und Tipps zur Vorsorge“ zwei Programme erwähnt, die ich gerne nutze: Den Passwortmanager Keepass und die Datei-Cloud Nextcloud. Diese beiden Dienste sind auch das Kernstück meiner Vorsorge.

Keepass: Mein Daten-Gedächtnis

In Keepass speichere ich alle meine Logins. Dabei geht der Passwortmanager so vor, dass alle Logins und Notizen in einer verschlüsselten lokalen Datei hinterlegt werden. Mit einem Masterpasswort oder einem Keyfile kann diese Datei entsperrt werden. Ich nutze Keepass für alle meine alltäglichen Logins. Vorher habe ich Lastpass verwendet, aber nach einigen Berichten über Sicherheitslücken war es mir den Verlust von Komfort wert, auf eine Open-Source-Lösung ohne Internetanbindung umzusteigen. 

In Keepass vergebe ich zudem Tags wie „!wichtig“ oder „!projekt123“, um die Daten zu strukturieren. Außerdem füge ich ggf. Notizen hinzu, um zu erklären, was mit dem betreffenden Login nach meinem Tod geschehen soll und wie das gehen könnte. Bei technisch komplizierten Diensten gebe ich an, an wen sich meine Hinterbliebenen wenden können.

Nextcloud: Unendliche Vernetzung

Diese Datei nützt natürlich nichts, wenn sie auf meinem verschlüsselten Rechner verstaubt. Daher synchronisiere ich sie mit einer eigenen, privat gehosteten Nextcloud. Das kann man sich vorstellen wie Dropbox, nur dass man alle Dateien Ende-zu-Ende verschlüsseln kann und kein amerikanischer Konzern Zugriff darauf hat. Dafür muss man selbst ein bisschen Hand anlegen und ein Stückchen Software auf einem Server installieren.

Da ich ohnehin mit Leuten in meinem Umfeld Dateien über diese Nextcloud synchronisiere, kennen diese das System bereits. Da die Keepass-Datei verschlüsselt ist, kann ich sie ruhigen Gewissens auch schon zu Lebzeiten mit meinen Angehörigen teilen – sie können ohne das Masterpasswort nicht darauf zugreifen. Die Datei ist auf mehreren Rechnern verschiedener Leute immer aktuell und kann daher kaum „kaputt“ gehen, selbst wenn einzelne Rechner zerstört werden oder der Server verschwindet.

Papierordner: Die Anbindung an die analoge Welt

Das Masterpasswort, mit dem man auf meine Keepass-Datei zugreifen kann, liegt bei meiner Bestattungsvorsorge und anderen wichtigen Dokumenten in einem Papierordner. (In der Realität ist das noch etwas komplizierter, weil es redundant an mehreren Orten liegt.) Im Falle meiner Handlungsunfähigkeit oder meines Todes können meine Hinterbliebenen darauf zugreifen, die Datei entschlüsseln und somit Zugang zu meinen Logins und Teilen meines letzten Willens bekommen.

Grenzen

Natürlich hat dieses Modell Grenzen. Wenn mein näheres Umfeld z.B. bei einem Unfall mit mir verstirbt, kann sich keiner mehr kümmern. Auch ist diese Lösung im Falle eines Rechtsstreits nicht unbedingt rechtssicher. Als praxisnahe, komfortable Lösung taugt das Modell aber.

Photo by Hans-Peter Gauster on Unsplash

3 Gedanken zu “Die Vorsorge für meinen digitalen Nachlass – eine Skizze”

  1. Guter Artikel, danke. Wir bei memrange haben das gleiche Verständnis wie Du und arbeiten ja seit Monaten an einer solchen Lösung – würde mich natürlich Dein Feedback interessieren.

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