LifeCompanion: App-Initiator Leonhard Bichler im Interview

Leonhard Bichler bringt mit „LifeCompanion“ (www, Gründerszene) eine App auf den Markt, die sich um die letzten Dinge kümmern soll. Wir haben den Gründer interviewt.

Wie sind Sie auf das Thema digitaler Nachlass aufmerksam geworden?

LifeCompanion - Bild des App-Initiators Leonhard Bichler
Foto Leonhard Bichler: TomorrowBits GmbH

Die App LifeCompanion deckt diverse Bereiche ab, von denen für mich zu Beginn der App-Entwicklung ganz andere als der digitale Nachlass im Vordergrund standen: Beispielsweise ging es mir zuerst schwerpunktmäßig um das emotionale Vermächtnis, das heißt, dass man in der App persönliche Nachrichten etwa an Familie und Freunde, den letzten Facebookpost oder auch persönliche Wünsche hinterlegen kann, wie etwa die gewünschte Bestattungsart oder den Song, der auf der eigenen Beerdigung gespielt werden soll.

Aber auch die Möglichkeit, Infos darüber zu hinterlegen, ob man etwa eine Vorsorgevollmacht, einen Organspendeausweis oder eine Patientenverfügung hat und Infos dazu zu erhalten, was das jeweils überhaupt ist, wie man sie bekommt und wo diese im Falle eines schweren Unfalls gefunden werden können, waren da zunächst im Vordergrund. Gerade auch diese Informationen werden ja durch LifeCompanion im Ernstfall einer oder mehreren Personen zugestellt.

Jedoch rückte das Thema digitaler Nachlass spätestens beim Brainstorming mit dem Entwicklerteam von der Mobile-Software-AG in den Fokus, die für meine Firma, die TomorrowBits GmbH, die App entwickelt hat. Seitdem ist auch dieses Thema ein für LifeCompanion bedeutendes geworden.

Mit der LifeCompanion-App haben Sie ein Vorsorgetool entwickelt. Die App ist als „Begleiter durch alle Stationen des Lebens und darüber hinaus“ gedacht. Was ist die Idee dahinter – und was heißt das genau?

LifeCompanion - Screenshot
Screenshot: TomorrowBits GmbH

Mit LifeCompanion hat man kostenfrei eine App an der Seite, die genau in jenen Lebenssituationen hilfreich ist, wo andre Apps nichts nützen oder höchstens Teillösungen anbieten. Nämlich zum einen bei der Lebensplanung, indem die App dazu anleitet, festzulegen, was für Lebensziele man sich noch stecken möchte. Zum anderen begleitet LifeCompanion die Lebensreflexion, indem in der App zum Festhalten von Lebenshighlights oder gar zum Führen eines Tagebuches angeregt wird.

LifeCompanion hilft außerdem verantwortungsvollen Menschen auf Ihrem Lebensweg, die sich fragen, was mit ihren Liebsten in finanzieller oder in emotionaler Hinsicht eigentlich passieren würde, wenn man eines Tages verstirbt und wie man diese schreckliche Situation für sie im Voraus abmildern könnte.

Letztlich kommt LifeCompanion aber gerade auch dem Wunsch des Nutzers nach, an seine Hinterbliebenen im Todesfall persönliche Worte zu übermitteln: Informationen zu seinen letzten Wünschen oder zu sonstigen wichtigen Dokumenten, wie etwa dem Fundort des Testaments. Aber auch die Übermittlung letzter Worte in einer Mail an seine Freunde, Verwandten, Familienangehörigen oder gar an seine Online-Freunde per Facebook-Posting ist möglich, wie auch die Freigabe von Zugangsdaten für die eigenen digitalen Accounts.

Neben der Vermittlung von diversen Informations- und Dienstleistungsangeboten zu diesen Bereichen bietet LifeCompanion seinen Nutzern schließlich auch Hilfsangebote und weiterführende Informationen zu diesen Themenfeldern aus den Bereichen Sterbeforschung, Nahtodforschung und aus den Religionen.

Die Vorsorge-App hat ein breites Funktionsspektrum – was ist für Sie persönlich die wichtigste Funktion?

LifeCompanion - Foto der App
Foto: TomorrowBits GmbH

Bei den vielen Funktionen, die es bisher schon gibt, ist ein Favorit sehr schwer zu wählen.

Momentan nutze ich die App – vermutlich weil ich mit 30 Jahren gerade in der entsprechenden Phase bin – am meisten für die Ausarbeitung meiner weiteren Lebensziele, für den Eintrag meiner bisherigen Lebenshighlights und für mein Tagebuch oder ich höre mir den täglichen Tagesimpuls an.

Trotzdem ist mir persönlich wohl die Nachrichtenfunktion am Wichtigsten und zugleich aber auch die Checkliste über meine Dokumente. So kann ich einerseits sichergehen, dass meine Liebsten wenigstens noch ganz persönliche Worte von mir haben, wenn mir plötzlich etwas zustoßen sollte und andererseits kann ich sichergehen, dass Dokumente zu meinem Patientenwillen an die richtigen Leute kommen, falls mir etwas zustößt, durch das ich meinen Willen etwa für medizinische Maßnahmen nach einem schweren Unfall nicht mehr äußern kann.

Warum haben Sie sich für eine App-Lösung entschieden?

Die App LifeCompanion sollte sicherheitshalber jeder Mensch vom jüngeren bis mittleren oder gar höherem Erwachsenenalter haben und ein Großteil der Leute in dieser Zielgruppe besitzen ein Smartphone, auf dem man eine App installieren kann.

Der Vorteil einer Smartphone-App ist, dass das Smartphone sowohl in emotionalen Momenten – dann also, wenn man etwa Höhepunkte, besondere Tageserlebnisse oder gar Ängste verarbeitet – ganz nah am Menschen ist. Näher als Computer oder Zettel und Stift. Das gilt vor allem, wenn man gerade im Bett liegend Gedanken im Kopf hat, im Zug sitzt und aus dem Fenster guckt oder sonst wo ist.

Das Smartphone ist für viele Menschen das Erste, nach dem sie am Morgen greifen und das Letzte, das sie am Abend in Händen halten. Damit ist es ebenfalls der Wegbegleiter des modernen Menschen schlechthin und damit das Medium der Wahl für LifeCompanion.

Und worum geht es beim 341 („three for one“) -Prinzip, von dem die Rede ist?

Bei diesem Prinzip stehen drei Leute für den Nutzer der App ein. So ähnlich wie bei dem Musketier-Prinzip: „Einer für alle, alle für einen!“. Dabei legt man als Nutzer mindestens einen Vertreter an, der im Todesfall den Tod in der App durch Drücken eines Buttons meldet und der später Zugriff auf alle hinterlegten Daten bekommen soll.

Dieser Person sollte man daher sehr vertrauen, sodass man dafür im Normalfall vermutlich ein oder mehrere Personen aus dem Familienkreis wählen wird. Zudem braucht man zwei Zeugen, das könnten z. B. Freunde sein, die sich von der Wahrheit des gemeldeten Todesfalls vergewissern und ihn in der App bestätigen. Erst dann wird für den oder die Vertreter der Zugang zu den Daten freigeschaltet.

In der App lassen sich Wünsche sowie Infos zu persönlichen Zugangsdaten und wichtigen Dokumenten hinterlegen. Wie begegnen Sie den großen Herausforderungen unserer Zeit in Sachen Datenschutz und -sicherheit?

Beim Thema Datenschutz weisen wir unter anderem darauf hin, dass wir über die anonymisierten Daten hinaus, die etwa von Facebook an uns mit der Zustimmung des Nutzers übermittelt werden oder die von GoogleAnalytics bzw. Firebase gesammelt und ausgewertet werden, keine personenbezogenen Daten etwa für die Personalisierung von Werbung nutzen. Wenn es bei uns Werbung gibt, dann gibt es lediglich für jeden Nutzer die selbe Werbung und auch lediglich solche, die im Rahmen der Themen von LifeCompanion einen möglichen Mehrwert für den Nutzer darstellt und zudem möglichst unaufdringlich ist.

Was die Sicherheit angeht, haben wir diverse Sicherheitsvorkehrungen getroffen, dass die Nutzerdaten bei uns sicher sind und wir nutzen ausschließlich in Deutschland betriebene Server mit deutschen Standards. Zudem ist die App auf reine Onlinefunktionalität ausgerichtet, sodass die Daten selbst dann noch erhalten sind, wenn das Smartphone verloren gehen sollte oder beschädigt wird und sodass die Nutzerdaten außerdem nicht direkt auf dem Smartphone gespeichert sind.

Wem all das immer noch nicht sicher genug ist, z. B. weil er dem Internet generell misstraut, der kann LifeCompanion dennoch vollumfänglich nutzen und beispielsweise in der App einfach Fundorte hinterlegen, an denen Kennwörter, Dokumente oder Briefe zu finden sind. Außerdem werden diese Fundorte an den oder die Vertreter auch erst dann bekannt gegeben, wenn einem tatsächlich etwas zugestoßen ist.

Weitere Interviews finden Sie in unserer entsprechenden Kategorie.

LifeCompanion - Screenshot
Screenshot: TomorrowBits GmbH
LifeCompanion - Screenshot
Screenshot: TomorrowBits GmbH

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