„Jeder sollte schon zu Lebzeiten Vorkehrungen für sein virtuelles Nachleben planen“ – werwarwer.de im Interview

werwarwer.de bietet Gedenkseiten an, die zukünftigen Generationen auch bei der Ahnenforschung helfen sollen. Wir haben die Gründer Anita Erzig und Norbert Hoffmann interviewt.

Was bietet werwarwer.de an und worin unterscheidet sich das Angebot von anderen Gedenkseitenportalen?

Anita Erzig von werwarwer.de (Foto: privat)

Wir bieten dauerhafte Gedenkseiten für Verstorbene an. Mit werwarwer.de möchten wir aber gleichzeitig auch eine Wissensdatenbank schaffen, mit der für zukünftige Generationen auch die Ahnenforschung erleichtert werden soll. Natürlich sind unsere Gedenkseiten auf unbestimmte Zeit angelegt.

Die Gedenkseiten werden ausschließlich durch uns eingestellt. So können wir Missbrauch ausschließen und auch sicherstellen, dass datenschutzrechtliche Vorschriften eingehalten werden. Wir möchten auch sicherstellen, dass keine negativen Äußerungen über verstorbene Personen eingestellt werden.

Auf den Seiten finden Sie neben Fotos auch eine Lebensbiographie der Menschen sowie eine Chronik des Ortes, wo der Verstorbene aufgewachsen ist.

Auch in einigen weiteren Details unterscheiden wir uns von Mitbewerbern: Wir möchten allen Menschen die Möglichkeit geben, Informationen über Verstorbene zu finden. Daher sind die Seiten nicht passwordgeschützt. Auf unserer Seite kann man keine Kerzen anzünden, diese Funktion ist auch nicht geplant. Dafür kann man aber auf unseren Seiten „Startseiten für Familien“ anlegen lassen und verstorbene Familienmitglieder, Ehepartner, Kinder etc. untereinander verlinken. Man kann sich zu Lebzeiten auch schon eine Gedenkseite bei uns reservieren lassen.

Übrigens bieten wir auch Hilfestellungen, falls Angehörige ein Problem haben, über den Verstorbenen zu schreiben. Ein entsprechendes Formular befindet sich auf unserer Webseite. Für diejenigen, die keine Bilder oder Biographen in digitaler Form vorlegen können, bieten wir zudem die Möglichkeit Bilder zu digitalisieren und handschriftliche Lebensläufe gegen Aufpreis in ein digitales Format zu übertragen. Selbstverständlich erhalten unsere Kunden nach Digitalisierung alle Ihre Unterlagen von uns zurück.

Wie kamen Sie auf die Idee zu werwarwer.de?

Norbert Hoffmann von werwarwer.de (Foto: privat)

Im Mai 2019 wurde ein Freund im Alter von 48 Jahren tot in seinem Haus aufgefunden. Er hatte keine Partnerin, keine Kinder. Die Eltern sind ebenfalls vor Jahren verstorben. In diesem Zusammenhang entstand die Idee für werwarwer.de, denn wir haben uns gefragt, was in ein paar Jahren noch an Wissen über die verstorbene Person übrigbleibt?

Zwar lebt zunächst Wissen über Verstorbene im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis weiter, aber es geht im Schnitt schon nach einer Generation verloren. Und auch diejenigen, die den verstorbenen Menschen kannten, sterben irgendwann.

Es gibt aus unserer Sicht keine ansprechenden Webseiten, wo man etwas über das Leben eines verstorbenen Ottonormalverbrauchers findet. Auch ein Grab auf einem Friedhof, welches meist nach 20 bis 30 Jahren verschwindet, sagt nichts über das Leben eines Menschen aus. Zudem geht der Trend heute immer mehr zu Bestattungen auf Waldfriedhöfen, teilweise auch zu anonymen Bestattungen.

Daher kam die Idee, mit einer Webseite allen Menschen die Möglichkeit geben, Informationen über Verstorbene zu finden. Überall auf der Welt kann man z.B. über ein Smartphone die Webseite aufrufen und sich so Bilder und Geschichten aus dem Leben des Verstorbenen in Erinnerung rufen.
Auch soll für zukünftige Generationen die Ahnenforschung aufgrund der Möglichkeit Familienangehörige miteinander zu verlinken erleichtert werden.

Welche Funktionen erwarten Ihre Kunden in der Zukunft?

Wir planen, in absehbarer Zeit auch die Möglichkeit zu geben, einen Stammbaum einzustellen.

Auf welche Weise realisieren Sie technisch und juristisch die „Ewigkeit“ des Angebots?

Unsere Gedenkseiten sind auf unbestimmte Zeit angelegt. Eine Garantie dafür kann es nicht geben, denn wir können nicht sagen, wie lange es die Menschheit oder das Internet noch geben wird. Aktuell können wir eine Einstelldauer bis zum Jahr 2045 garantieren. Wir sind aber sehr zuversichtlich, jemanden zu finden, der die Webseite in unserem Sinne weiterführt, wenn wir irgendwann einmal nicht mehr dazu in der Lage sein sollten.

Was raten Sie Hinterbliebenen, die eine Gedenkseite im Netz veröffentlichen möchten? Und was raten Sie Menschen, die schon zu Lebzeiten für ihr virtuelles Nachleben planen möchten?

Jeder sollte schon zu Lebzeiten Vorkehrungen für sein virtuelles Nachleben planen. Zu diesem Thema findet man viel Literatur im Internet. Dazu gehört nicht nur, Fotos zu digitalisieren und zu ordnen, sondern auch eine Geschichte zu den Fotos zu schreiben. Dies fängt aus unserer Sicht bei sich selbst an, geht aber weiter bis zu den Eltern, Großeltern usw. Neben all diesen Dingen kann man sich aber auch schon zu Lebzeiten Gedanken über seine eigene Gedenkseite machen.

 

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