digital.danach https://digital-danach.de Das unabhängige Infoportal: Digitaler Nachlass | Online-Trauer | Gedenken im Netz Tue, 18 Sep 2018 10:04:05 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.8 https://digital-danach.de/wp-content/uploads/2015/11/cropped-save-file-32x32.png digital.danach https://digital-danach.de 32 32 Digitaler Nachlass im Erbrecht: Regierung sieht keinen Handlungsbedarf https://digital-danach.de/digitaler-nachlass-im-erbrecht-regierung-sieht-keinen-handlungsbedarf/ https://digital-danach.de/digitaler-nachlass-im-erbrecht-regierung-sieht-keinen-handlungsbedarf/#respond Tue, 18 Sep 2018 10:04:05 +0000 https://digital-danach.de/?p=3256

Die Bundesregierung hat auf eine Kleine Anfrage der FDP geantwortet, die das Thema digitaler Nachlass behandelt. Die FDP hatte nachgefragt, wie es um die Pläne der Regierung bestellt sei, digitale ... Weiterlesen ...

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Die Bundesregierung hat auf eine Kleine Anfrage der FDP geantwortet, die das Thema digitaler Nachlass behandelt. Die FDP hatte nachgefragt, wie es um die Pläne der Regierung bestellt sei, digitale Nachlässe im Erbrecht zu berücksichtigen. Die Antwort: Die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf.

„Das jetzige Erbrecht plus Vertragsrecht reichen aus“

Tenor laut dpa-Meldung (z.B. im Handelsblatt):

[Die] Rechtsbeziehungen zwischen privaten Anbietern und ihren Kunden auch in Bezug auf die Rechtsnachfolge beruhten auf privatrechtlichen Verträgen, für die grundsätzlich die Vertragsfreiheit gelte. Ob bestimmte Regelungen – etwa die Löschung von Daten im Todesfall oder ein Verfall von Online-Musiksammlungen – wirksam vereinbart werden könnten, sei „eine Frage des Einzelfalls“, den „im Streitfall die unabhängigen Gerichte“ zu entscheiden hätten. Das Bürgerliche Gesetzbuch gebe den Rahmen vor.

Anlass für diese optimistische Sichtweise der Regierung war u.a. das Facebook-Urteil des Bundesgerichtshofs, der nach 3 Jahren und in dritter Instanz Klarheit geschaffen hat: Facebook muss den Erben einer 15-Jährigen Zugriff auf deren Account gewähren. Nicht unbedingt ein Beispiel für Effizienz und Praxisnähe.

Alles geklärt?

Wir haben schon zum BGH-Urteil Zweifel angemeldet, dass diese Rechtsprechung die Sorgen von Erben aus der Welt schafft. Zu vieles bleibt ungeklärt – etwa die Frage, auf welche anderen Account-Verträge das Urteil anzuwenden ist. Oder auch, was mit Dateien auf lokalen oder Cloud-Speichern geschieht und ob es Ausnahmen für Accounts gibt, die Zugriff auf hochsensible Daten, vertrauliche Kommunikation und Geheimnisse erlauben.

Die Aussage der Bundesregierung, dass privatrechtliche Verträge plus Rechtsprechung alles Relevante regelt, stimmt vermutlich; eine gesetzgeberische Lösung wäre aber wahrscheinlich einfacher, schneller und effizienter.

Image: Photo by Joakim Honkasalo on Unsplash

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Facebook als Briefkasten? Ein Kommentar zum BGH-Urteil im Facebook-Streit https://digital-danach.de/facebook-als-briefkasten-ein-kommentar-zum-bgh-urteil-im-facebook-streit/ https://digital-danach.de/facebook-als-briefkasten-ein-kommentar-zum-bgh-urteil-im-facebook-streit/#comments Fri, 13 Jul 2018 17:44:46 +0000 https://digital-danach.de/?p=3238

Jetzt ist es also soweit: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das lange erwartete Urteil im „Facebook-Fall“  verkündet, bei dem sich die Eltern eines mit 15 verstorbenen Mädchens und Facebook gegenüberstanden. Im ... Weiterlesen ...

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Jetzt ist es also soweit: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das lange erwartete Urteil im „Facebook-Fall“  verkündet, bei dem sich die Eltern eines mit 15 verstorbenen Mädchens und Facebook gegenüberstanden. Im Mittelpunkt des jahrelangen Streites stand die Frage, ob die Eltern als Erben Zugang zum FB-Konto ihrer Tochter erhalten sollten. Für beide Positionen gab es gute Gründe. Bei digital.danach sind wir überzeugt, dass in Sachen digitaler Nachlass trotz des Urteils (oder gerade deswegen) noch lange nicht das letzte Wort gesprochen sein wird.

Bereits nach dem Verhandlungstermin am 21. Juni 2018 war die Tendenz des BGH wahrscheinlich – das Urteil würde wohl für die Erben ausfallen. Und so war es dann bei der Verkündung am 12.07.2018 auch (hier die Pressemeldung des BGH).

Rechte und Pflichten

Vertreter des deutschen Erbrechts sind mit dieser Entscheidung zu Gunsten der Erben zufrieden – das Urteil bestätigt, wofür sie sich schon lange einsetzen. Matthias Pruns z. B. spricht von einem „richtigen Urteil“. Er weißt aber auch auf die daraus entstehenden Pflichten der Erben hin:

Gestärkt wird hiermit die Rechtsstellung der Erben – aber mit jedem Recht gehen auch Pflichten und Verantwortung einher.

Und: Auch die Interessen der Kommunikationspartner der Verstorbenen seien weiterhin berechtigt:

Berechtigte Interessen der Kommunikationspartner, etwa auf Löschung bestimmter intimer Inhalte, sind dadurch nicht ausgeschlossen. Die Kommunikationspartner müssen sich aber an die Erben wenden. Die Betreiber sozialer Netzwerke treffen hier keine Treuhandaufgaben.

(RA Matthias Pruns am 12.07.2018 bei StiftungsrechtPlus)

Ein Aber bleibt

Was mich trotz allem nachdenklich zurücklässt, ist der Vergleich der Kommunikation bei Facebook mit Briefwechseln und Tagebüchern, wie er schon oft gezogen wurde und wie ihn auch der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung macht. Dieser Vergleich greift meiner Meinung nach viel zu kurz. Denn was in einem Facebook-Account an Kommunikation abläuft, ist deutlich mehr als ein analoger Briefwechsel: Wer Zugang zu einem Facebook-Account hat, der kann nicht nur private Chats nachverfolgen, die einem Briefwechsel tatsächlich noch relativ nahe kommen. Sondern er erhält auch automatisch Zugriff auf die geschlossenen Gruppen, in denen der Verstorbene Mitlgied war, ohne dass die anderen Gruppenmitglieder davon erfahren.

Die Kommunikation, die dort stattfindet, steht im Vergleich zu einem Briefwechsel auch nicht still, nachdem ein Teilnehmer verstorben ist, sondern läuft weiter. Die Erben hätten also auch Zugang zu Gesprächen, an denen der Verstorbene nie beteiligt war. Diese Zugriffsmöglichkeiten, die ein Facebook-Login mit sich bringt, sind also wesentlich weitreichender als bei einem postalischen Briefkasten.

Viele offene Fragen für die Zukunft

Prinzipiell ist es begrüßenswert, dass den Erben die Regelung des digitalen Nachlasses erleichtert wird. Und gerade, wenn Vorsorgende vorgesehen haben, dass ihre Erben ihre Accounts ihren Wünschen gemäß verwalten sollen, ist das eine wichtige Grundlage. Nichtsdestotrotz sollten die Rechte der Kommunikationspartner jetzt nach diesem Urteil nicht aus dem Blick verloren werden. Gerade jetzt, wo wir im Rahmen der DSGVO versuchen, die Daten der Verbraucher stärker zu schützen.

Deswegen: Zugang für Erben ja, aber mit Bedacht. Dass sich Kommunikationspartner erst aktiv an die Erben wenden müssen, kann nicht die Lösung sein – oft werden sie nämlich gar nicht wissen, dass ein Gesprächspartner bereits verstorben ist, und unter dessen Namen evtl. ein Erbe mitliest. Wer nicht direkt über einen Todesfall informiert wird, sieht einem Account nicht an, ob der Mensch dahinter noch lebt oder bereits verstorben ist. Es werden also definitv in Zukunft noch viele Fragen in Bezug auf digitale Nachlässe zu verhandeln sein.

Vorsorge bleibt nach dem Urteil das wichtigste Thema

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich auch jetzt, nach diesem Urteil, Gedanken über eine Vorsorge für die eigenen digitalen Angelegenheiten machen und eigene Wünsche formulieren. Wer zum Beispiel nicht möchte, dass bestimmte Daten oder Zugänge an die Erben übergehen, sollte das unbedingt festhalten.

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Trauer im Game: Dan Hetts experimentelle Spiele https://digital-danach.de/trauer-im-game-dan-hetts-experimentelle-spiele/ https://digital-danach.de/trauer-im-game-dan-hetts-experimentelle-spiele/#respond Thu, 17 May 2018 16:32:34 +0000 https://digital-danach.de/?p=3221

Schon mehrmals haben wir bei digital.danach über die Art und Weise berichtet, wie Menschen mit ihrer Trauer im Internet umgehen. Der britische Software-Entwickler Dan Hett verarbeitet seine Erfahrungen um den ... Weiterlesen ...

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Schon mehrmals haben wir bei digital.danach über die Art und Weise berichtet, wie Menschen mit ihrer Trauer im Internet umgehen. Der britische Software-Entwickler Dan Hett verarbeitet seine Erfahrungen um den Tod seines Bruders auf seine ganz eigene Weise – er entwickelt Spiele. Wir haben uns eines davon näher angeschaut.

Wenn ich über Trauer im digitalen Raum spreche, zitiere ich gerne die Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin Anke Offerhaus, die in einem ihrer Aufsätze geschrieben hat:

„Medien dienen und dienten immer schon der Erinnerung an Verstorbene und sind somit essenziell für den Ausdruck von Trauer“

Offerhaus, Anke: Klicken gegen das Vergessen – Die Mediatisierung von Trauer- und Erinnerungskultur am Beispiel von Online-Friedhöfen, S. 39. In: Thomas Klie / Ilona Nord (Hrsg.): Tod und Trauer im Netz, (S. 37- 62).

Hier bildet auch das Internet keine Ausnahme. Menschen bloggen, gestalten Gedenkseiten, posten bei Facebook oder sprechen in YouTube-Videos über ihre Trauer. Über einen Artikel beim Guardian bin ich auf eine weitere Ausdrucksform aufmerksam geworden: Programmieren. Keza MacDonald stellt in ihrem Beitrag Games console: Dan Hett, the indie game designer pouring his grief into interactive art den Software-Entwickler und Digital-Künstler Dan Hett vor, der seine traumatischen Erfahrungen um den Tod seines Bruders in autobiographischen, experimentellen Games verarbeitet.

Hetts jüngerer Bruder Martyn kam letztes Frühjahr beim Terroranschlag auf ein Popkonzert in der Manchester Arena (Manchester Arena bombing, 22. Mai 2017) ums Leben. Die letzte Nachricht, die er seinem großen Bruder schrieb, wird namensgebend für dessen erstes Spiel: C ya laterrrr.

Bei C ya laterrrr handelt es sich um Hypertextfiction. Weniger Videospiel als viel mehr eine interaktive Story, bei der die Leser / Spieler wählen können, wie die Geschichte weitergeht. In dieser Form verarbeitet Hett seine Erlebnisse und Gedankengänge rund um das Unglück:

“Ultimately, everyone has different ways of dealing with grief and trauma, and this is mine. If I were a painter or poet or something, then it would be wholly reasonable for my painting or poetry to take on a different tone based on this kind of massive life experience. Unfortunately I’m neither a painter or a poet, but I certainly do design video games, and here I am.”

Nicht nur Hetts tatsächliche Erlebnisse fließen in das Spiel mit ein, sondern auch seine vielen „Was-wäre-wenn“-Gedankengänge. Alle zusammen bilden die Erzählgrundlage, aus der die Spieler selbständig ihren Story-Pfad auswählen, indem sie Entscheidungen treffen müssen. Hier ein paar Beispiele:

Screenshot aus Dan Hetts Hyperfiction-Game C ya laterrrr: Was willst du als nächstes tun?
Beispiel 1: Du hast zahlreiche verpasste Anrufe und ungelesene Nachrichten auf deinem Handy – was machst du als erstes? (Screenshot aus Dan Hetts Hyperfiction-Game „C ya laterrrr“)
Screenshot aus Dan Hetts Hyperfiction Game „C ya laterrrr“: Du schreibst deinem Vater eine Textnachricht.
Beispiel 2: Du versuchst, deinen Vater zu erreichen. (Screenshot aus Dan Hetts Hyperfiction Game „C ya laterrrr“)
Beispiel 3: Du trittst vor die Haustür (Screenshot aus Dan Hetts Hyperfiction Game „C ya laterrrr“)
Beispiel 3: Es hat geklingelt. Du trittst vor die Haustür. (Screenshot aus Dan Hetts Hyperfiction Game „C ya laterrrr“)

Eindrücklich ist auch die Vermisstensuche via Social Media. Dan Hetts tatsächlicher Suchaufruf bei Twitter, der 9.949 Mal retweetet wurde (Stand 17.05.2018), wird ebenfalls Teil der Story: Die Spieler entscheiden dabei wie vor ihnen bereits Hett, ob sie für diesen Tweet das neueste Foto seines Bruders posten möchten, oder das, auf dem er am glücklichsten aussieht.

Egal, welche Entscheidungen die Spieler letztendlich treffen – das Ende bleibt gleich.

Inzwischen wurde C ya laterrrr ca. 12.000 Mal gespielt. Hett fragt sich, wie viele der Spieler wohl zufällig genau den Weg genommen haben, den auch er selbst gewählt hat.

Dan Hetts zweites Spiel über Martyns Tod, The Loss Levels, wurde Anfang April auf dem Now Play This Festival in London gezeigt. Momentan arbeitet er am dritten mit dem Titel Sorry to Bother You. Und er hat bereits den Plan für eine technisch komplexeres Game im Kopf: Closed Hands.

 

Hier kann C ya laterrrr kostenfrei gespielt werden: https://danhett.itch.io/c-ya-laterrrr – Spenden sind willkommen.

Mehr zum Thema Spiele und Trauer gibt es in unserem Artikel über Trauerkultur in Computerspielen.

 

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Kunstprojekt „Life Is Good For Now“: Ludwig Zeller und Bernd Hopfengärtner im Interview https://digital-danach.de/ludwig-zeller-und-bernd-hopfengaertner-im-interview/ https://digital-danach.de/ludwig-zeller-und-bernd-hopfengaertner-im-interview/#respond Fri, 13 Apr 2018 09:24:28 +0000 https://digital-danach.de/?p=3140

Im März haben wir an dieser Stelle das Kunstprojekt Life Is Good For Now vorgestellt, in dem digitaler Nachlass eine wesentliche Rolle spielt. Heute befragen wir die beiden Künstler, Ludwig Zeller ... Weiterlesen ...

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Im März haben wir an dieser Stelle das Kunstprojekt Life Is Good For Now vorgestellt, in dem digitaler Nachlass eine wesentliche Rolle spielt. Heute befragen wir die beiden Künstler, Ludwig Zeller (LZ) und Bernd Hopfengärtner (BH), zu den Hintergründen. 

Können Sie mir etwas zum Hintergrund des Projekts erzählen? Was gab den Impuls? Wie entstand es?

Portrait Ludwig Zeller, (c) Samuel Hanselmann
Ludwig Zeller, (c) Samuel Hanselmann

LZ: Das Projekt entstand als ein Beitrag zur Ausstellung ‚Poetics and Politics of Data’, welche 2015 im Haus der elektronischen Künste in Basel stattfand. Das Schweizerische Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS) finanzierte und beauftragte uns, mit dieser spekulativen Arbeit die Frage nach den Interferenzen der Big Data Industrie und der Medizinforschung öffentlichkeitswirksam zu inszenieren.

Bernhard Hopfengärtner. Installation von Olafur Elliason aufgenommen (grün beleuchteteter Nebelraum)
Bernhard Hopfengärtner. Installation von Olafur Elliason aufgenommen (grün beleuchteteter Nebelraum)

Wir standen in einem recht engen Kontakt und erhielten durch die TA-SWISS wichtige Impulse für die Recherche der Faktenlage zu unseren fiktionalen Szenarien. Im Speculative Design sind derartige Kollaborationen allerdings nicht ungewöhnlich, obgleich diese natürlich auch zur Limitierung von Fragestellungen führen können. Wir empfanden die Zusammenarbeit aber durchweg als positiv.

Sensible, aber wertvolle Medizindaten können auch posthum weitergegeben werden

In der Projektbeschreibung heißt es: It „discusses several scenarios for the further development of Big Data in medicine.“ Wie naheliegend war hier das Thema digitaler Nachlass für Sie? 

BH: Mit dem Tod wird häufig Persönliches der Allgemeinheit zugänglich gemacht (Briefwechsel verstorbener Persönlichkeiten) oder dem Gemeinwohl gestiftet. Bei medizinischen Daten scheint das sowieso sinnvoll zu sein. Sicherlich sind viele Menschen auch bereit, das zu Lebzeiten zu tun. In unserem Fall geht es aber um Lifestyle Daten, die ausgewertet werden, um medizinisch relevante Auswirkungen der Lebensgewohnheiten zu erforschen. Da ist zunächst einmal alles potentiell medizinisch relevant oder kann später für irgendeinen Zweck ausgewertet werden, den man noch gar nicht kennt. Das spräche für das Erfassen und Aufheben vieler Daten. Nur sind vielleicht einige so sensibel, dass man sie nicht zu Lebzeiten weitergeben möchte. Ultimativ würde dann im Nachlass entschieden, ob gelöscht oder weitergegeben wird.

 

Ausschnitt aus dem Videoprojekt „Life Is Good For Now“

Digitaler Nachlass spielt nicht nur in der Szene mit Fabian eine Rolle, der die Daten seiner Eltern erbt. Auch in den anderen Szenen schwingt mit, wie wertvoll die Daten eines Individuums über den Tod hinaus sind. Wann haben Sie sich das erste Mal mit diesem Thema beschäftigt?

BH: Mittlerweile ist das ja ein bekanntes Phänomen: Bei mir war es durch den Tod eines entfernten Facebook-Bekannten im Jahr 2008 und dem weiterexistieren des Facebook Profils, als ob nichts passiert wäre.

LZ: Bisher hatte ich damit noch keinen unmittelbaren Kontakt, aber das Thema ist mir ebenfalls schon lange geläufig. Wir beide interessieren uns schon seit mehr als zehn Jahren dafür wie digitale Systeme unsere Gesellschaft verändern. 2008 war es in der Tat noch überraschend, darüber nachzudenken, dass ein Social Media Profil zu einem Grabstein werden kann. Heute ist diese Überraschung weitestgehend verflogen und man fragt sich eher, wie man diesen Grabstein wohl angemessen pflegen würde.

Big Data: Lebenslang gesammelte Daten haben ungeahnten Wert für Forschung und Versicherungen

Informationelle Selbstbestimmung und digitaler Nachlass stehen in Life Is Good For Now in einem engen Bezug. Wie hängen sie genau zusammen?

BH: In den Nachlass kann nur fallen, worüber man selbst Verfügungsgewalt hat. Bisher ist dies in Bezug auf persönliche Daten ja nicht unbedingt der Fall.

LZ: Wir gingen letztlich von den Forderungen des Vereins “Daten und Gesundheit” aus, der sehr detailliert und realistisch entsprechende Gesetzesänderungen in der Schweiz befürwortet, die eine Vielzahl von Daten in die Hände der Schweizer Bevölkerung zurückgeben wollen. Der Verein agiert dabei nicht ganz altruistisch. Er erhofft im Zuge der Rückführung dieser Daten in die Hände derjenigen, die sie betreffen, dass diese Daten dann von der Bevölkerung in hohem Maße der medizinischen Forschung zur Verfügung gestellt werden würden. Wir wollten zum einen zeigen, welchen Wert ein lebenslang erhobener Datensatz für die Forschung und Krankenkassen haben kann und wie entsprechende Tauschmodelle aussehen könnten. Und ja, wir wollten als Videomacher in erster Linie überraschen und zum Nachdenken anregen.

Ausschnitt aus dem Videoprojekt „Life Is Good For Now“

Informationelle Selbstbestimmung fehlt uns (noch). Und tatsächlich habe ich bei meiner Arbeit manchmal den Eindruck, dass Menschen mehr bewegt, was mit ihren Daten nach ihrem Tod passiert als zu ihren Lebzeiten. Ist das paradox?

BH: Hier gibt es natürlich einen Perspektivwechsel. Die meisten Daten entstehen als Nebenprodukte vieler Tätigkeiten, als Effekt unseres Handelns. Wir sind dann eben mit den Dingen beschäftigt, die wir gerade erleben oder erledigen wollen und nicht mit den Daten, die dabei entstehen. Wenn wir uns über die Verwendung unserer Daten nach dem Tod Gedanken machen, geraten sie als Ganzes in den Blick und wir fragen und welches Bild sie von uns zeichnen und verewigen.

LZ: Und dieses Bild wird ja nun wirklich immer präziser. Natürlich kann sich ein Mensch dafür entscheiden, mit dem Ableben auch die Hoheit darüber abzugeben was die Mitmenschen von einem wahrnehmen. Schließlich verliert man ja auch die Kontrolle über seinen Körper. Aber die Idee, dass zu Lebzeiten verheimlichte Bilder und Schriftwechsel letztlich publik werden, und zukünftige Verfahren der Datenanalyse, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können, uns durchleuchten werden, ist heute zumindest ein ungewohnter und somit interessanter Gedanke.

Der digitale Nachlass als Last

In Deutschland führen wir momentan eine intensive Debatte über die Vererbbarkeit des digitalen Nachlasses. Vor allem aus erbrechtlicher Perspektive sollen die Rechte der Erben auf Zugang zum digitalen Nachlass gestärkt werden. In diesem Zusammenhang gefällt mir folgender Satz Fabians besonders gut: „Das Problem ist, dass man eigentlich alles findet, was man sucht, und eigentlich auch alles, was man vermutet, belegen kann“. Stellt der Daten-Nachlass nicht nur einen Wert, sondern auch eine emotionale Last dar, mit der wir evtl. nicht umgehen können?

LZ: Ich sehe momentan fast täglich eine Videowerbung im Internet, die einen Dienst für das Auffinden von Verwandten durch DNA-Analysen anpreist. Darüber hinaus bieten solche Dienste auch Risikoprognosen für das Eintreten vererblicher Krankheiten an. Das stößt teilweise auf erheblichen behördlichen Widerstand, um die öffentlichen Krankenkassen nicht einem Ansturm von Prophylaxepatienten auszusetzen. Diese Dienste entstehen, weil es einen tatsächlichen Markt dafür gibt und die technischen Möglichkeiten scheinbar existieren. In unserem Szenario werden neben somatischen auch psychologische Gutachten durch algorithmische Analysen von Nachfahren posthum erstellt.

Definitiv muss man sich in diesem Fall fragen, welche psychologischen Missbräuche damit denkbar wären. Das beste Gegengift wäre aber bereits hier und heute eine Aufklärung darüber, was Big Data und Machine Learning wirklich leisten können – und was nicht. Denn letztlich sind viele dieser Prognosetechniken erst kulturell mächtig, wenn wir ihnen bedingungslos glauben schenken. Hier sehe ich aktuell einen großen Bedarf für technologische Bildung und Aufklärung.

Ausschnitt aus dem Videoprojekt „Life Is Good For Now“

Der digitale Nachlass als Wert

Was meinen Sie: Was sind unsere Daten wert?

BH: Scheinbar soviel, dass wir eine Vielzahl digitaler Dienste umsonst nutzen können. Aber das ist sicherlich aufgeblasen durch billiges Geld, das in irgendwelche Startups gesteckt wird. Im Moment glauben wir alles sei digital zu lösen. Das legt nahe, dass auch der monetäre Wert der Daten etwas aufgeblasen ist. Meistens geht es ja auch um die statistische Auswertung der Datenspuren möglichst vieler Nutzer. Da ist der einzelne Datensatz gar nicht so wichtig. Andererseits ist das natürlich davon abhängig welche Fragen man an die Daten richtet. Und wenn man nicht vom monetären Wert spricht, ist natürlich alles offen.

Ausschnitt aus dem Videoprojekt „Life Is Good For Now“

Was passiert mit dem Werk nach dem Tod des Künstlers?

Taucht das Thema digitaler Nachlass auch noch an einer anderen Stelle in Ihrer Arbeit auf?

BH: Nein.

LZ: Man muss anmerken, dass wir vermeiden, politisch Stellung zu beziehen und insofern nicht an der Umsetzung oder Vermeidung spezifischer Szenarien arbeiten. Es geht uns zwar um die Aktivierung des öffentlichen Interesses, aber wir wollen dies möglichst dialektisch und neutral realisieren. Wir haben ein Interesse an einer Metaethik, aber nicht einer Moral des Digitalen, für die wir dann normativ argumentieren würden. Insofern sind wir thematisch recht mobil.

Und noch eine Frage zum Schluss: Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, was mit Ihrem eigenen digitalen Nachlass, also z.B. auch dem Film, geschehen soll?

LZ: Tatsächlich hatte ich seit 2001 fast keinen Datenverlust mehr. Also ich stelle mir das in etwa so vor: Meine letzten Jahre werde ich relativ immobil größtenteils in virtuellen Netzwerken verbringen, mit Hilfe derer ich zum einen große Teile meines Lebens medial wiederaufleben lassen kann und zum anderen auch in regem Austausch mit meinen noch lebenden Freunden stehen werde. Ich denke, ich werde auch bis ins hohe Alter noch verschiedene publizistische Tätigkeiten ausüben können. Auch, wenn große Anstrengungen natürlich dann nicht mehr denkbar sind.

Ob ich dann mein digitales Leben einer Art Open-Source-Lizenz unterstelle oder doch lieber in einen digitalen Totengräber investiere, der mit juristischen Mitteln bis ins kleinste Detail meine Löschung durchsetzt, das muss ich mir noch überlegen. Ist ja hoffentlich noch ein bisschen Zeit. Und Überzeugungen sind schließlich dafür da, dass man sie immer wieder neu bewertet, lol.

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„Rest in Tweets“: Digitaler Nachlass im Neo Magazin Royale (#Feelingsgefühle) https://digital-danach.de/rest-in-tweets-digitaler-nachlass-im-neo-magazin-royale-feelingsgefuehle/ https://digital-danach.de/rest-in-tweets-digitaler-nachlass-im-neo-magazin-royale-feelingsgefuehle/#respond Fri, 23 Mar 2018 07:30:09 +0000 https://digital-danach.de/?p=3128

Im Neo Magazin Royale vom 22.3. (verfügbar bis einschließlich 21.06.2018) spielt Moderator Jan Böhmermann mit seinem Gast Manuel Möglich das neue Spiel „Rest in Tweets“. Wer sich das ansehen will: Das ... Weiterlesen ...

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Im Neo Magazin Royale vom 22.3. (verfügbar bis einschließlich 21.06.2018) spielt Moderator Jan Böhmermann mit seinem Gast Manuel Möglich das neue Spiel „Rest in Tweets“. Wer sich das ansehen will: Das Spiel startet ab Minute 35.

Worum geht’s?

Im Spiel werden Böhmermann und Möglich Fake-Tweets eingeblendet, die sie dann historischen oder fiktiven Personen zuordnen müssen. Die Bandbreite reicht von Jesus bis Tupac, von Caesar bis bis zum Bösen Märchenwolf. Spoiler: Böhmermann gewinnt sehr deutlich, auch unabhängig von einem dicken Patzer seines Gastes.

Manuel Möglichs Spielfehler: Er tippt auf Dirk Bach.

Der Studiogast tippt an einer Stelle, dass es sich beim (Fake-) Tweet um den letzten Tweet Dirk Bachs handele. In Wirklichkeit wurde der Tweet

Achtung, Geheimrezept: Ein Erdnussbuttersandwich mit Schlaftabletten, Abführmitteln und Beruhigungstabletten!!!!! #IchHabHungerGames #OneForTheMoneyTwoForTheShow #HatteBockMeinenTodVorzutäuschenUndNachBuenosAiresZuZiehen

Elvis Presley in den Mund gelegt. Die ersten beiden Hashtags beziehen sich auf Elvis‘ Leben. Einerseits auf seinen … großen Appetit am Lebensabend gepaart mit einer Anspielung auf The Hunger Games. Und andererseits auf seinen ersten großen Hit, das Cover von Blue Suede Shoes. Der letzte Hashtag nimmt Verschwörungstheorien rund um Elvis mögliches Weiterleben auf.

Aufmerksame Leser von digital-danach.de wissen natürlich seit Langem (genauer gesagt: seit 2 Jahren), welches der letzte Tweet Dirk Bachs war.

Honorable Mention: Der Nachlasskontakt

Jan Böhmermann lässt auch andere populäre Spielarten der digitalen Nachlassregelung nicht außen vor. Im Gespräch mit dem Studiogast geht es auch kurz darum, was mit Facebook-Profilen nach dem Tod des Nutzers passiert. Böhmermann hat auch hierfür schon einen Plan: Die Ehre, sein Nachlasskontakt zu werden, soll unter den Mitarbeitern verlost werden.

Featured Image: Screenshot der Facebook-Page des NMR.

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Digitaler Nachlass im Kunstprojekt Life Is Good For Now https://digital-danach.de/digitaler-nachlass-im-kunstprojekt-life-is-good-for-now/ https://digital-danach.de/digitaler-nachlass-im-kunstprojekt-life-is-good-for-now/#comments Fri, 16 Mar 2018 09:16:24 +0000 https://digital-danach.de/?p=3115

Die Künstler Ludwig Zeller und Bernd Hopfengärtner schufen 2015 das Videoprojekt Life Is Good For Now. Es entstand als Beitrag zur Ausstellung ‚Poetics and Politics of Data’, die 2015 im ... Weiterlesen ...

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Die Künstler Ludwig Zeller und Bernd Hopfengärtner schufen 2015 das Videoprojekt Life Is Good For Now. Es entstand als Beitrag zur Ausstellung ‚Poetics and Politics of Data’, die 2015 im Haus der elektronischen Künste in Basel stattfand. Das Videoprojekt diskutiert in vier Szenen verschiedene Zukunftsszenarien rund um die Anwendungsmöglichkeiten von Big Data im Medizinbereich – und dabei spielt das Thema digitaler Nachlass eine wesentliche Rolle. Eine Empfehlung!

Ausschnitt aus dem Videoprojekt "Life Is Good For Now" von Ludwig Zeller und Bernd Hopfengärtner
Ausschnitt aus dem Videoprojekt „Life Is Good For Now“ von Ludwig Zeller und Bernd Hopfengärtner

Video: https://vimeo.com/130973509
Hintergrundinfos: https://www.ixdm.ch/life-is-good-for-now/

Szenario zum digitalen Nachlass

Das komplette Video ist sehenswert. Wer sich nur für den Themenbereich digitaler Nachlass interessiert, wird in der dritten Szene (ab 7:23 Minuten) fündig.

Darin erbittet sich der Protagonist Fabian von seiner Online-Community Rat bei einer Entscheidung: Seine Eltern, die im letzten Jahr verstorben sind, haben ihm ihren digitalen Nachlass vermacht. Jetzt, da die Erbangelegenheiten von Seiten des Notars geregelt sind, erhält Fabian Zugang dazu. Der digitale Nachlass setzt sich wie folgt zusammen:

  • „2,7 Millionen Bilder
  • 13175 Tage Video
  • 4810 ärztliche Befunde
  • eine zu 87% lückenlose Abdeckung der Schlaf-, Kalorien- und Herzraten
  • 31008 Telefonate
  • Konsumgüterumsatz im Wert von 1,5 Mio Schweizer Franken“

Fabian stellt fest:

„Das Problem ist, dass man eigentlich alles findet, was man sucht, und eigentlich auch alles, was man vermutet, auch belegen kann.“

So lässt sich durch eine Stimmlagenanalyse der Telefonate Fabians Vermutung belegen, dass seine Eltern seinen Bruder mehr geliebt haben, als ihn: Nämlich um 34% mehr.

Jetzt ist Fabian auf eine Krankenversicherung gestoßen, die ihm für beide Datensätze eine zehnjährige Gratismitgliedschaft bieten würde. Er bittet seine Comunity um Fedback, wie er handeln soll.

Die weiteren Szenarien

Im ersten der vier Szenarien berichtet Ariane in einem Brief Dolores aus einem Sanatorium. Ihre Gesundheitsdaten dienen als Grundlage für ihre Behandlung, gleichzeitig produziert sie währenddessen Unmengen neuer Daten:

„Was es nun schon alles von mir weiß“.

„Gesellschaft für wissenschaftliche und kommerzielle Datenkorrelation“

Im zweiten Zukunftsszenario (ab ca. 4 Minuten) verfolgt man ein geschäftliches Telefonat: Herr Gerber von der Schweizer Firma Mont Data, einer „Gesellschaft für wissenschaftliche und kommerzielle Datenkorrelation“, erklärt einem potentiellen Kunden Arbeitsweise und Möglichkeiten. Das Unternehmen „lagert“ Daten im Berg und bietet Forschern an, diese Daten für ihre Arbeit zu nutzen. Sie setzten sich unter anderem auch aus den Daten von Privatpersonen zusammen. Schon 6 Millionen Bürger hätten sich dazu entschieden, ihre Daten freiwillig mindestens einem Forschungsprojekt zur Verfügung zu stellen.

„Eine riesige Poesiemaschine“

Im vierten Szenario (ab 10:36 Min) erklärt eine Autorin einem kritischen Rezensenten, wie sie mit den Daten ihrer Leser umgeht. So haben z.B. die Protagonisten ihres aktuellen Buches Vorbilder in der Realität. Die Autorin hatte ihnen Flugtickets geschickt in der Hoffnung, dass im Urlaub etwas Erzählenswertes passiert. Aus den Datenspuren der beiden, die sie mitverfolgte, hat sie eine Story gewonnen. Ein anderer Leser stellte ihr für ihre Arbeit vier Millionen Datensätze zur Verfügung, die er über 30 Jahre gesammelt hatte.

„Die Menschen suchen das Wahre in den Daten. Und ich finde noch das Schöne, das Gute darin.“

Digitaler Nachlass in der bildenden Kunst

Das Thema digitaler Nachlass ist in der bildenden Kunst öfter Thema. 2017 hatten wir mit Leoni Fischers „Necropolis“ eine Kunst-Installation zum Thema vorgestellt. 

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Facebook-Fall geht vor den Bundesgerichtshof https://digital-danach.de/verhandlungstermin-bgh-facebook-fall/ https://digital-danach.de/verhandlungstermin-bgh-facebook-fall/#comments Fri, 16 Feb 2018 08:04:58 +0000 https://digital-danach.de/?p=3092

Der als „Facebook-Fall“ bekannt gewordene Fall zum digitalen Nachlass wird in der nächsten Instanz weiterverhandelt. In einer Pressemeldung teilt der Bundesgerichtshof den Verhandlungstermin für den 21. Juni 2018, 10.00 Uhr mit. ... Weiterlesen ...

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Der als „Facebook-Fall“ bekannt gewordene Fall zum digitalen Nachlass wird in der nächsten Instanz weiterverhandelt. In einer Pressemeldung teilt der Bundesgerichtshof den Verhandlungstermin für den 21. Juni 2018, 10.00 Uhr mit.

Der Streit zwischen den Eltern, die ihre Tochter 2012 bei einem U-Bahn-Unfall in Berlin verloren haben, und Facebook um die Zugangsdaten zum FB-Konto der Tochter hat in den letzten Monaten viel Aufmerksamkeit erhalten (z. B. MDR-Beitrag zum digitalen Nachlass bei Exakt – Die Story). Bis heute sind die Todesumstände nicht abschließend geklärt, vieles deutet auf einen Suizid hin. Obwohl die Eltern die Zugangsdaten hatten, konnten sie sich bei der Suche nach Antworten nicht mehr in das Facebook-Konto ihrer Tochter einloggen – das Profil war bereits in den Facebook-Gedenkzustand versetzt.

Bisheriger Prozessverlauf

„Das Landgericht hat die Beklagte [Facebook, Anm. d. Red.] verurteilt, der Erbengemeinschaft Zugang zu dem vollständigen Benutzerkonto und den darin vorgehaltenen Kommunikationsinhalten der Verstorbenen bei dem sozialen Netzwerk unter deren Nutzerkonto zu gewähren. Auf die Berufung der Beklagten hat das Kammergericht die Klage insgesamt abgewiesen.

Mit der vom Kammergericht zugelassenen Revision verfolgt die Klägerin [Mutter der verstorbenen 15-jährigen, Anm. d. Red.] ihre Klageanträge weiter.“

(http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2018&Sort=3&nr=80925&pos=0&anz=31)

 

Vorinstanzen:

LG Berlin – Entscheidung vom 17.12.2015 – 20 O 172/15 [ein Debattenbeitrag zum Urteil des Landgerichts Berlin]

KG Berlin – Entscheidung vom 31.5.2017 – 21 U 9/16“ [eine Einschätzung zum Urteil des Kammergerichts Berlin]

 

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CSU-Arbeitskreis für Netzpolitik (CSUnet) nimmt Stellung zum digitalen Nachlass https://digital-danach.de/csunet-zum-digitalen-nachlass/ https://digital-danach.de/csunet-zum-digitalen-nachlass/#comments Thu, 01 Feb 2018 10:56:23 +0000 https://digital-danach.de/?p=3079

Der CSU-Arbeitskreis für Netzpolitik (CSUnet) reagiert mit einer Pressemeldung auf das Statement des Bayerischen Justizministers Winfried Bausback zum digitalen Nachlass. Er hatte sich Ende Januar gegenüber der Bild-Zeitung zum „Erbrecht ... Weiterlesen ...

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Der CSU-Arbeitskreis für Netzpolitik (CSUnet) reagiert mit einer Pressemeldung auf das Statement des Bayerischen Justizministers Winfried Bausback zum digitalen Nachlass. Er hatte sich Ende Januar gegenüber der Bild-Zeitung zum „Erbrecht 2.0“ geäußert (wir berichteten). CSUnet-Vorsitzende Dorothee Bär begrüßt die Initiative des Kollegen:

CSUnet: Ein modernes Erbrecht 2.0 muss dafür sorgen, dass Hinterbliebene nicht ohnmächtig vor dem virtuellen Nachlass ihres Verstorbenen stehen

„Es ist schlimm, wenn Angehörige, die den gerade erst erlittenen Verlust eines geliebten Menschen verkraften müssen, ohnmächtig vor der virtuellen Identität ihres Angehörigen stehen und Internetkonzerne ihnen den Zugang zum digitalen Nachlass verweigern“, beklagt Dorothee Bär, die Vorsitzende des CSU-Arbeitskreises für Netzpolitik (CSUnet) und stellvertretende CSU-Parteivorsitzende. Sie begrüßt deshalb ausdrücklich den Vorstoß ihres bayerischen Kollegen, Justizminister Winfried Bausback, der klargestellt hat, dass im Erbrecht 2.0 nichts anderes gelten darf als in der analogen Welt. Sprich: Dass der Erbe allein über den digitalen Nachlass entscheiden können muss.

Wenn keine Einwilligung des Verstorbenen und seiner Kommunikationspartner vorliegt, wird erbberechtigten Angehörigen aufgrund der momentanen Rechtslage der Zugang zu solchen Konten verweigert, unter anderem unter Verweis auf das Fernmeldegeheimnis und den Schutz der Kommunikation mit Dritten.

„Im schlimmsten Fall führe das digitale Abbild des verstorbenen Angehörigen ein virtuelles Eigenleben, was für Familien und Nahestehende sehr belastend sein kann“, so die CSU-Netzpolitikerin.

„Unser Leben spielt zunehmend digital ab. Ob Logins für Social Media Accounts, Zugriff auf digitalen Besitz wie E-Books oder PIN-Codes fürs Handy: Erinnerungen, Erlebnisse und Kommunikationen bestehen vielfach nur noch digital. Hier sind klarstellende Ergänzungen im Telekommunikationsgesetz erforderlich, um bestehende Rechtsunsicherheiten zu lösen. Ein Provider muss den digitalen Nachlass an die Erben herausgeben dürfen“, so Bär weiter. Es sei doch auch unvorstellbar, dass ein Fotoalbum oder ein Tagebuch eines Verstorbenen vor den Hinterbliebenen zurückgehalten werde.

Zu diesem Thema brauche es eine gesamtgesellschaftliche Sensibilisierung. Ähnlich wie bei der Patientenverfügung müssten Bürgerinnen und Bürger über solche Themen informiert und dazu angehalten werden, Vorsorge zu treffen. Bär abschließend: „Eine Art Aufklärungskampagne könnte über die Bundeszentrale für politische Bildung erfolgen“.

(Presseerklärung CSUnet, 31.01.2018)

Beim letzten Parteitag der CSU am 15./16.Dezember 2017 in Nürnberg wurde positiv darüber abgestimmt, dass die Politik zum Thema digitaler Nachlass aktiver werden muss. Dass das Thema auf den Tisch kam, ist u. a. dem Engagement des Organisationsteams der digina, der Konferenz zum digitalen Nachlass, zu verdanken.

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Notizen zum digitalen Nachlass – Januar 2018 https://digital-danach.de/notizen-zum-digitalen-nachlass-januar-2018/ https://digital-danach.de/notizen-zum-digitalen-nachlass-januar-2018/#comments Mon, 29 Jan 2018 19:27:13 +0000 https://digital-danach.de/?p=3061

Beiträge, Meldungen und Veranstaltungen zum digitalen Nachlass nehmen kontinuierlich zu, von kurios bis wegweisend ist alles mit dabei. Hier eine ganz subjektive Zusammenstellung aus unserer digital.danach-Redaktion, u. a.  zu einem ... Weiterlesen ...

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Beiträge, Meldungen und Veranstaltungen zum digitalen Nachlass nehmen kontinuierlich zu, von kurios bis wegweisend ist alles mit dabei. Hier eine ganz subjektive Zusammenstellung aus unserer digital.danach-Redaktion, u. a.  zu einem Symposion, der Bild-Zeitung und den geschätzten US-Facebook-Toten für 2018.

Symposion zum digitalen Nachlass

Am 25.01.2018 luden DeutscherAnwaltVerein und der Deutsche Jursitentag e.V. zu einem gemeinsamen Symposion in Berlin ein: Unter dem Thema Digitaler Nachlass – eine Aufgabe für den Gesetzgeber diskutierten „Praktiker und Wissenschaftler über den aktuellen rechtlichen Stand, Probleme der Anbieter (z.B. Google), das Internationale Privatrecht und den Stand der Politik“. Als Referent*innen waren unter anderem Dr. Stephanie Herzog (DAV), Annegret König (Google) und Prof. Dr. Anatol Dutta, (Ludwig-Maximilians-Universität München) angekündigt.

Anlass für das Symposion war, die Entwicklungen der letzten Jahre zu diskutieren:

  • 2013: Die Ausschüsse Erbrecht, Informationstechnologie und Verfassungsrecht des Deutschen Anwaltvereins gehen in einer DAV-Initiativstellungnahme Nr. 34/2013 Fragen zum digitalen Nachlass nach
  • Ab 2015 setzt sich die Länderarbeitsgruppe „Digitaler Neustart“ der Justizministerkonferenz mit dem Thema auseinander
  • 2017 legt die Länderarbeitsgruppe „Digitaler Neustart“ einen Abschlussbericht vor und sieht „(ebenfalls) gesetzgeberischen Handlungsbedarf“
  • Im ersten Facebook-Fall setzt sich die Justiz mit dem Thema auseinander. Er hat „nach Urteilen des LG Berlin (20 O 172/15) und des Kammergerichts (21 U 9/16) nun den BGH erreicht“ 

Ergebnis des Symposions: Die Teilnehmer waren sich einig, dass

„klarstellende Ergänzungen im Telekommunikationsgesetz (TKG) erforderlich [seien], um Rechtsunsicherheit rund um den Digitalen Nachlass zu lösen.“

Bildzeitung: Justizminister-Statements zum digitalen Nachlass

Die Bildzeitung titelte Ende Januar: Justizminister fordern: Facebook-Account muss im Todesfall vererbbar sein! Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) und Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) haben der Bild-Zeitung jeweils ein Statement zum Thema digitaler Nachlass und Vererbbarkeit abgegeben. Der kurze Beitrag steht ebenfalls in Bezug zum „Facebook-Fall“, insbesondere dem Urteil des Kammergerichts Berlin (siehe auch oben). Seitdem wird auch öffentlich verstärkt diskutiert, ob es in Gesetzgebung und Rechtsprechung Nachbesserungsbedarf gibt, wenn es um digitales Erbe geht. Ja, unbedingt, heißt es von vielen Seiten. „Eigentlich nicht“, meint man z. B. bei Digital Heritage, einem Vorsorgeservice mit zwei Juristen im Gründungsteam,

„die Rechtsprechung ist noch am Anfang, aber es wird sich eine höchstrichterliche Rechtsprechung herauskristallisieren, die hoffentlich die richtige Abwägung zwischen den Persönlichkeitsrechten des Verstorbenen und den (Eigentums-)Rechten der Erben findet. Auch bedarf es keiner Gesetzesänderung, sondern einer Auslegung der Gesetze durch Rechtsprechung und Literatur.“

Justiz oder Verbraucherschutz? Digitaler Nachlass als Thema für Ministerien

Wo das Thema politisch angesiedelt sein könnte, beschäftigte noch im Dezember auch die Bayerische Staatszeitung. Dort hieß es vor einem guten Monat:

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz fühlt sich allerdings nicht zuständig. „Es ist Sache der Unternehmen, praktikable Lösungen für den Tod ihres Vertragspartners vorzuschlagen“, heißt es aus Berlin. Das bayerische Verbraucherschutzministerium hingegen sieht Handlungsbedarf. Derzeit werde geprüft, inwieweit ein Zugriff auf Konten und Kommunikation von Verstorbenen notwendig sein kann, „um Verbindlichkeiten aus online geschlossenen Verträgen prüfen und regeln zu können“, sagt ein Sprecher von Ministerin Ulrike Scharf (CSU). Außerdem versuche das Zentrum Digitalisierung.Bayern mit dem Projekt „Verbraucherbelange in der Digitalisierung“ Politik, Wirtschaft und Bürger für das Thema „digitaler Nachlass“ zu sensibilisieren.

Der erste Schritt des ZD.B in diese Richtung war übrigens die finanzielle Unterstützung unserer Konferenz zum digitalen Nachlass in München, der digina 2017.

 

Schätzung: Todesfälle unter US-amerikanischen Facebook-Nutzern für 2018

Evan Carroll von „The Digital Beyond“ (der englischsprachige Web-Quelle zum digitalen Nachlass | Interview) hat schon einmal für das Jahr 2016 geschätzt, wie viele amerikanische Facebook-Nutzer sterben könnten. Jetzt hat er sein Rechenbeispiel für 2018 weitergeführt: 

1.7 Million U.S. Facebook Users Will Pass Away in 2018

Zu seinen geschätzten Zahlen kommt er nach einer Berechnung, die er von Nathan Lustig und Jesse Davis („founders of Entrustet, which was later acquired by SecureSafe“) übernommen hat. Die beiden hatten sie für 2010, 2011 und 2012 durchgeführt. Hier gehts zu den Tabellen bei The Digital Beyond.

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Digitaler Nachlass bei Exakt – Die Story, MDR https://digital-danach.de/digitaler-nachlass-bei-exakt-die-story-mdr/ https://digital-danach.de/digitaler-nachlass-bei-exakt-die-story-mdr/#comments Fri, 19 Jan 2018 15:14:01 +0000 https://digital-danach.de/?p=3042

Auf der digina 2017, der Konferenz zum digitalen Nachlass, war unter anderem ein Team des Mitteldeutschen Rundfunks zu Gast. Die Szenen und Interviews, die dort entstanden sind, sind Teil eines ... Weiterlesen ...

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Auf der digina 2017, der Konferenz zum digitalen Nachlass, war unter anderem ein Team des Mitteldeutschen Rundfunks zu Gast. Die Szenen und Interviews, die dort entstanden sind, sind Teil eines 30-minütigen Films geworden, der der Frage nachgeht, wie sich in digitalen Zeiten unser Umgang mit dem Tod verändert und wie wir mit den digitalen Hinterlassenschaften verstorbener Menschen umgehen wollen. Jetzt im Januar ist der Film von Ben Arnold in der Reihe Exakt – Die Story unter dem Titel „Unsterblich im Internet? Vom Umgang mit dem Tod in einer digitalen Welt“ erschienen (© MDR 2018). Wer ihn noch nicht gesehen hat, dem sei er empfohlen. Wer keine Zeit hat, sich den Film komplett anzusehen, findet hier ein Zusammenfassung.

Logo: exakt – Die StoryMit seinen 30 Minuten ist er einer der ausführlichsten Beiträge der Öffentlich-Rechtlichen zum Thema digitaler Nachlass und Online-Trauerkultur. Dass sich der Film diese Zeit nimmt, ist ein Gewinn: Neben Experteninterviews mit Birgit Aurelia Janetzky (Semno Consulting), Katja Henschler von der Sächsischen Verbraucherzentrale und Armin Wagner (Fimberger Digitales Erbe) erzählt er fünf sehr unterschiedliche Geschichten von betroffenen Menschen. Diese Zusammenstellung zeigt besser als viele Erklärungen, wie vielschichtig das Thema ist und wie unterschiedlich die Fragestellungen, Probleme und Bedürfnisse sein können, die damit zusammenhängen:

Geschichte 1: Öffentliches Schreiben über das Sterben und gegen das Vergessen

Die Mutter Yvonne Bauer, 40, kämpft seit vier Jahren gegen den Krebs. Eine vollständige Heilung scheint ausgeschlossen. Bei Facebook regelmäßig über ihre Krankheit und das Sterben zu bloggen, bedeutet ihr viel. Sie hat zahlreiche Leser und es fällt ihr im digitalen Raum leichter als im analogen, zu berichten, wie es ihr geht. Ihre Texte sind für sie ein Vermächtnis, das bleibt, wenn sie nicht mehr da sein wird. Ihrem Mann Andreas fällt es schwer, mit dieser Art von Öffentlichkeit umzugehen. Er hat aufgehört, die Texte zu lesen und vertraut darauf, von Yvonne im direkten Kontakt zu erfahren, wie es ihr geht.
Bei ihrem Schreiben hat Yvonne auch ihren kleinen Sohn im Kopf, der ihre Texte später einmal lesen und vielleicht verstehen können wird, wie es ihr in dieser schweren Zeit ging. Sie ist sich bewusst, dass sie Vorsorge treffen muss, damit ihre Texte auch in Zukunft im Netz zugänglich sind. Ihr Problem dabei: Ihre Texte liegen auf den Facebook-Servern. Ob ihr Vermächtnis in Zukunft lesbar sein wird, hängt von einem Konzern ab.

Facebook - DaumenGeschichte 2: Digitale Spuren Verstorbener belasten die Lebenden 

Heike Müller (geänderter Name im Film) erlebt den digitalen Nachlass ihres Exmannes als starke Belastung für ihren 15-jähriger Sohn. Vater und Sohn hatten auch nach der Trennung der Eltern ein gutes Verhältnis, kommunizierten viel digital, auch über Facebook. Dass der Facebook-Account seines verstorbenen Vaters „weiterlebt“ und von dessen Lebensgefährtin weiterbespielt wird, belastet ihn massiv. Seine Mutter sieht noch ein weiteres Problem: Die Partnerin ihres Exmannes hat auch Shopping-Accounts des Verstorbenen weitergenutzt. Falls diese Rechnungen nicht bezahlt worden wären, ginge das zu Lasten ihres Sohnes, dem Erbe seines Vaters.
Heike Müller versucht aus diesen Gründen seit eineinhalb Jahren, die digitale Identität des Verstorbenen löschen zu lassen. Mit Hilfe dessen Tabletts recherchierte sie nach Accounts. Sie stieß dabei nicht nur auf private Details, die sie nicht kennen wollte, sondern blieb ohne die entsprechenden Passwörter weitgehend erfolglos. Jetzt kapituliert sie.

Geschichte 3: Verloren gegangene Daten als großer Verlust

Catharina Wilhelms Vater, der Komponist, Filmmusiker und Dirigent Rolf Alexander Wilhelm, verstarb im Alter von 85 Jahren. Sie erfüllte seinen letzten Willen und übergab seinen musikalischen Nachlass dem Deutsches Komponistenarchiv in HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden. Seine Korrespondenz führte Rolf Alexander Wilhelm seit Jahren weitgehend digital, 1998 hat er sich mit 72 Jahren seinen Mail-Account eröffnet. Catharina Willheim besitzt die Passwörter zu den Online-Accounts ihres Vaters. Ihr wurde aber „die fehlende Sicherheitskopie […] zum Verhängnis“: Als sie sich nach längerer Abwesenheit in das Postfach (Anm. d. Red.: WEB.DE) einloggt, sind alle Mails verschwunden. Die Daten lagen ausschließlich auf den Servern des E-Mail-Providers. Ein Schock für sie (dem sie im September 2016 auch via Twitter Ausdruck verlieh).Trotz ihrer Bitte wird der Account nicht wieder hergestellt – alles sei im Einklang mit den Geschäftsbedingungen passiert. „Für mich war es so, als wäre mein Vater nochmal gestorben“, sagt Katharina Wilhelm im Interview.

Geschichte 4: Ein Blog als Erinnerungsort

Stefanie Lenger-Schmal aus Leipzig ist es ein Herzensanliegen, über das Netz Erinnerungen zu bewahren. Innerhalb kurzer Zeit verlor sie sowohl ihre Tochter als auch ihren Mann. Als ihre Tochter Greta im Alter von drei Jahren an Krebs erkrankt, begann ihr Mann Stefan unter Greta hält durch vom Familienalltag zu erzählen. Das Blog war gedacht als Informationsforum für Bekannte und Familie. Fünf Jahre nach der Diagnose stirbt Greta. Kurz zuvor erkrankt auch Stefan an Krebs. Jetzt schreibt statt Stefan Stefanie weiter. „Das Internet wird für sie der Ort, in dem sie das unfassbare verarbeiten kann.“

LG Berlin gegen Facebook: Gedenkzustand adé?Geschichte 5: Die Rechte der Hinterbliebenen

Der exakt-Beitrag greift auch die Geschichte um das medial bekannt gewordene „Facebook-Urteil“ auf, also das Schicksal des 15-jährigen Mädchens, das 2012 bei einem U-Bahn-Unfall in Berlin verstorben ist (wir berichteten zum Urteil). Bis heute sind die Todesumstände nicht abschließend geklärt, vieles deutet auf einen Suizid hin. Die Eltern wünschen sich seitdem Zugang zum Facebookprofil ihrer verstorbenen Tochter, haben das Recht dazu aber bisher nicht erhalten. Im Interview ist Rechtsanwalt Christian Pfaff zu sehen, der die Eltern vor Gericht vertritt.

Fazit

Sehenswerter Beitrag für alle, die sich dem Thema zum ersten Mal nähern. Sehenswert aber auch für „alte Hasen“ aus der Szene rund um den digitalen Nachlass, weil es einige bekannte Gesichter zu sehen gibt.

Die digina 2017 im Beitrag

Wer einen Blick auf die digina werfen will: Ab 9 Minuten 40 sind ein paar Einstellungen von der Konferenz in den Räumen unseres Raumsponsors Microsoft zu sehen. Das Interview mit Birgit Aurelia Janetzky entstand übrigens auch dort im Rahmen der Konferenz.

Schade finden wir, dass im Beitrag der Eindruck entsteht, als wäre unsere Konferenz von großen Online-Playern initiiert worden. Nach der Kameraeinstellung auf das Microsoft-Gebäude folgt der Text „Diese Fragen beschäftigen zunehmend auch die großen Internetanbieter. In der deutschen Zentrale von Microsoft in München findet eine Konferenz rund um den digitalen Nachlass statt, die digina. Google stellt hier ein neues Tool zur digitalen Nachlassverwaltung vor und junge Startups präsentieren ihre Lösungen zur Vorsorge für das digitale Erbe.“ Dass es inhaltlich in erster Linie um gesellschaftliche, (verbraucher)rechtliche, soziale, politische und auch technische Fragen ging, wird nicht erwähnt. Und tatsächlich war Microsoft weder inhaltlich involviert noch personell vertreten, sondern hat lediglich die Räume als Sponsor zur Verfügung gestellt, während sich das fünfköpfige Veranstaltungsteam aus privat motivierten Gründen zusammengefunden hat.

Rahmendaten zum Beitrag

Titel: „Unsterblich im Internet? Vom Umgang mit dem Tod in einer digitalen Welt“
Sendetermin: Mi 10.01., 20:45Uhr
Dauer: 30:01 min
Mediathek: Der Beitrag ist hier in der MDR-Mediathek zu sehen: https://www.mdr.de/mediathek/mdr-videos/c/video-166350.html
Zusatzinfos: Zur Sendung gibt es übrigens auch Textbeiträge unter MDR Mediathek und MDR exakt.

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„Wir wollen Ihre Daten nicht!“ Offline-Vorsorge bei Somnity https://digital-danach.de/offline-vorsorge-somnity/ https://digital-danach.de/offline-vorsorge-somnity/#respond Fri, 12 Jan 2018 10:45:35 +0000 https://digital-danach.de/?p=3027

Der Vorsorgeservice Somnity ging 2016 mit einem verschlüsselten digitalen Datensafe an den Start, in dem Vorsorgende ihre Daten und Kennwörter verwalten können. Die Daten werden dabei vor dem Upload auf ... Weiterlesen ...

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Der Vorsorgeservice Somnity ging 2016 mit einem verschlüsselten digitalen Datensafe an den Start, in dem Vorsorgende ihre Daten und Kennwörter verwalten können. Die Daten werden dabei vor dem Upload auf den Server auf dem Rechner des Anwenders verschlüsselt (wir berichteten). Seit Herbst letzten Jahres bietet Somnity eine Offline-Variante per USB-Stick. Wir haben Geschäftsführer Michael Brück zur neuen Dienstleistung befragt.

Abb: Somnity-Gründer Michael Brück
Somnity-Gründer Michael Brück. (Copyright: fotoatwork)

Somnity ging mit einer Serverlösung an den Start, jetzt habt ihr mit dem Family-Paket einen USB-Stick zur verschlüsselten Speicherung von digitalen Werten und Zugängen in eurem Portfolio. Warum?

Wenn es um Datenübertragung und Datenverwahrung auf Servern geht, haben manche Nutzer generell Zweifel an der 100%igen Sicherheit. Deshalb haben wir eine alternative Lösung entwickelt, die jeder bedienen und nachvollziehen kann. Kernstück des SOMNITY-Family-Pakets ist ein USB-Stick  mit unserer Software. So hat der Anwender alle seine Daten bei sich und muss nichts im Internet speichern. Durch den Verkauf im Einzelhandel / durch Reseller werden wir jetzt auch unserem Leitspruch „WIR wollen Ihre Daten NICHT!“ zu 100% gerecht.

Löst der Stick dann euer bisheriges Modell ab oder handelt es sich um eine Ergänzung?

Der SOMNITY-Family-Stick ist eine Ergänzung unseres Angebotes. Die vorhergehenden Versionen wurden zum „SOMNITY-Professional-Paket“ zusammengefasst und werden seit dem 13. Oktober 2017 ebenfalls in einer kompletten Softwarebox ausgeliefert. Hier dient der mitgelieferte USB-Stick als Basis für die Registrierung im nach wie vor absolut sicheren SOMNITY-Rechenzentrum. Parallel haben wir unsere Website komplett überarbeitet. Unser neuer Auftritt ist nun deutlich frischer, freundlicher und schlüssiger für den Anwender.

Viele Vorsorgende machen sich Gedanken, ob sie ihre Daten rechtlich sicher vererben können. Hilft die USB-Stick-Lösung auch dabei oder stellt sie vor allem eine technische Unterstützung dar?

Ihr wisst ja, dass die Rechtsprechung zum Thema „Vererben“ noch nicht wirklich zu einem endgültigen Schluss gekommen ist. Die Frage „Rechtssicher JA oder NEIN“ stellt sich bei SOMNITY gar nicht. Jeder, der unsere neue Software nutzt, organisiert seine Daten und das Handling mit Bevollmächtigten völlig privat und unabhängig von Dritten.

Vorsorge ist ein langfristiges Thema. Bei Zeiträumen von mehreren Jahrzehnten stellen sich Hardware- und Software-Fragen. Lassen sich von eurem Stick Backup-Kopien anfertigen? Und werden Updates für die Software bereitgestellt, damit z. B. die kryptografischen Verfahren immer auf dem aktuellen Stand sind?

Der Stick lässt sich zwar kopieren, ist aber nur auf dem Original-Stick funktionsfähig – eines unserer Sicherheitsmerkmale. Sollte der USB-Stick nicht mehr funktionieren, tauschen wir ihn selbstverständlich kostenfrei gegen einen Neuen aus. Und wir haben auch für „SOMNITY Family“ eine Update-Funktion eingebaut, so dass der Kunde – wenn er das möchte – Neuerungen beziehen kann.

Welche Tipps gibst du Vorsorgenden (außer dem Einsatz deines Sticks)?

  • Rechtzeitig um alles kümmern. Es passiert schneller als einem lieb ist. Wir haben gerade so einen Fall in unserem direkten Umfeld erlebt. Ein selbstständiger Finanzierungs-Berater erlitt „ohne Vorwarnung“ einen Infarkt. Ohne seine getroffenen Vorsorgemaßnahmen wäre seine Frau nicht in der Lage gewesen, ohne größere Probleme und zeitaufwändige Recherche alle seine Mandanten und Geschäftspartner zu informieren. Durch die notwendigen Informationen und Zugänge bzw. Berechtigungen konnte sie zumindest die wichtigsten Dinge im Namen ihres Ehemannes erledigen, während dieser sich voll auf seinen Genesungsprozess konzentrieren konnte.
  • Vorsicht bei Unternehmen, die Geräte des Verstorbenen untersuchen. Man sollte genau wissen, wem man die Hardware übergibt. Immerhin könnten sehr sensible Daten darauf enthalten sein. Zudem weiß man nie, ob man wirklich alles erhält.
  • Meiner Meinung nach sollten Passwörter nicht bei Notaren oder Banken hinterlegt werden. Ändert man diese nämlich, ist das Aktualisieren mit großem Aufwand bzw. hohen Kosten verbunden.

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