digital.danach https://digital-danach.de Das unabhängige Infoportal: Digitaler Nachlass | Online-Trauer | Gedenken im Netz Wed, 10 Apr 2019 07:21:44 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.2.2 https://digital-danach.de/wp-content/uploads/2015/11/cropped-save-file-32x32.png digital.danach https://digital-danach.de 32 32 Neue Nachlass-Funktionen bei Facebook https://digital-danach.de/neue-nachlass-funktionen-bei-facebook/ https://digital-danach.de/neue-nachlass-funktionen-bei-facebook/#respond Wed, 10 Apr 2019 13:52:34 +0000 https://digital-danach.de/?p=3377

Vermutlich auch in Reaktion auf das BGH-Urteil hat Facebook gestern angekündigt, die Nachlass-Funktionen zu erweitern. Hier findet sich die offizielle Newsroom-Meldung. Darin heißt es bzgl. der Moderations-Möglichkeiten für Nachlasskontakte u.a.: ... Weiterlesen ...

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Vermutlich auch in Reaktion auf das BGH-Urteil hat Facebook gestern angekündigt, die Nachlass-Funktionen zu erweitern. Hier findet sich die offizielle Newsroom-Meldung.

Darin heißt es bzgl. der Moderations-Möglichkeiten für Nachlasskontakte u.a.:

Legacy contacts can now moderate the posts shared to the new tributes section by changing tagging settings, removing tags and editing who can post and see posts.

Nachlasskontakte für Minderjährige

Minderjährige selbst können nach wie vor keine Nachlasskontakte festlegen, aber Eltern können beantragen, als Nachlasskontakt ihrer Kinder zu fungieren:

While minors can’t select legacy contacts, we recently changed our policies to let parents who have lost children under 18 to request to become their legacy contact. We made this change based on feedback we received, and we hope it will provide some assistance to grieving parents.

Möglicherweise ist mit diesem „feedback we received“ auch die deutsche Rechtsprechung gemeint. Turi2 erwähnt zudem: „Auf private Nachrichten sollen [Eltern] keinen Zugriff erhalten.“

Nur noch Freunde und Verwandte

Bislang konnte jedermann unter Verweis auf Sterbeurkunden oder auch Online-Todesanzeigen einen Facebook-Account in den Gedenkzustand versetzen lassen. Das ändert sich laut Facebook nun:

We’ve heard from people that memorializing a profile can feel like a big step that not everyone is immediately ready to take. That’s why it’s so important that those closest to the deceased person can decide when to take that step. Now we are only allowing friends and family members to request to have an account memorialized.

Bevor es soweit ist, soll „Künstliche Intelligenz“ dabei helfen, den Facebook-Freunden unangenehme Situationen zu ersparen:

If an account hasn’t yet been memorialized, we use AI to help keep it from showing up in places that might cause distress, like recommending that person be invited to events or sending a birthday reminder to their friends.

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Digitaler Nachlass in Nürnberg https://digital-danach.de/digitaler-nachlass-in-nuernberg/ https://digital-danach.de/digitaler-nachlass-in-nuernberg/#comments Sun, 24 Mar 2019 06:37:50 +0000 https://digital-danach.de/?p=3363 Wir wohnen nun seit Ende 2017 (wieder) in Franken – und auch die hiesige Lokalpolitik ist nicht frei vom Thema digitaler Nachlass und wie man damit umgeht. Vor ziemlich genau ... Weiterlesen ...

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Wir wohnen nun seit Ende 2017 (wieder) in Franken – und auch die hiesige Lokalpolitik ist nicht frei vom Thema digitaler Nachlass und wie man damit umgeht.

Vor ziemlich genau einem Jahr berichtete Sabine Stoll in den Nürnberger Nachrichten: „Nürnberg will sich um Internet-Daten der Toten kümmern“. Die SPD-Stadträtin Anita Wojciechowski wurde hier zitiert und es hieß: „Im nicht-öffentlichen Teil der letzten Sitzung des Finanzausschusses gaben die Parteien grünes Licht für einen digitalen Nachlass-Service.“

Und nun berichtet die NN (Print-Ausgabe vom 21.3.2019, online bislang wohl nicht verfügbar):

Finger weg vom digitalen Erbe: Stadt will nicht haften

[…] Der Grund: Es sei höchstrichterlich festgestellt worden (s. BGH-Urteil, Anm. DS), dass virtuelle Hinterlassenschaften mit dem materiellen Erbe gleichgestellt würden […] Soll heißen: Der digitale Nachlass geht […] auf die Erben über. Wer eine Bestattung in Auftrag gibt, muss aber nicht gleichzeitig der Erbe sein und darf deshalb womöglich gar keinen Zugriff auf den digitalen Nachlass bekommen.

Die Nürnberger Friedhofsverwaltung möchte sich nicht die „Tätigkeit eines Nachlassverwalters oder -gerichts“ anmaßen und kann daher die Aufgabe nicht erfüllen, über den Verbleib und die Verwendung digitaler Daten zu entscheiden. Außerdem fürchtet man, sich irgendwo in ein Haftungs-Problem zu setzen – und verweist auf private Anbieter.

Prinzipiell klingt das nach einer sinnvollen Entscheidung. Zwar geht es bei digitalen Nachlass-Verwertungen viel um Abmeldungen und Kündigungen (was traditionell in den Bereich der Bestatter fällt). Die Gefahr, dass generische Lösungen zum Verschwinden wertvoller Daten führen, ist aber ziemlich groß.

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SafeBeyond geht offline https://digital-danach.de/safebeyond-geht-offline/ https://digital-danach.de/safebeyond-geht-offline/#comments Fri, 22 Mar 2019 06:58:02 +0000 https://digital-danach.de/?p=3362 Wer sich nach unserem Interview mit Moran Zur 2016 (deutsch, englisch) entschlossen hatte, den postmortalen Nachrichtendienst SafeBeyond zu nutzen, erlebt jetzt vielleicht eine unangenehme Überraschung: Das Unternehmen schließt die Pforten ... Weiterlesen ...

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Wer sich nach unserem Interview mit Moran Zur 2016 (deutsch, englisch) entschlossen hatte, den postmortalen Nachrichtendienst SafeBeyond zu nutzen, erlebt jetzt vielleicht eine unangenehme Überraschung: Das Unternehmen schließt die Pforten – und den Dienst. In einem letzten Newsletter werden Nutzer und Interessierte informiert:

After 5 years of hard work, bringing innovation with our unique vision, we are no longer being able to fund Safebeyond’s services. […] By the end of a 30 days period, all our servers will be shut down, so please login to your account and download any important data, so you can find a new service to keep it for you, or at least save it on your personal computer.

SafeBeyond reiht sich damit ein in die Armada nicht mehr existierender Nachlass-Dienste. Umso wichtiger: Bei der eigenen Vorsorge sollte man sich keinesfalls alleine auf einen kommerziellen Dienst stützen, dessen Langlebigkeit nicht garantiert werden kann.

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Neueste Entwicklungen im Nachlass-Streit: Zwangsgeldbeschluss gegen Facebook https://digital-danach.de/facebook-streit-zwangsgeldbeschluss-gegen-facebook/ https://digital-danach.de/facebook-streit-zwangsgeldbeschluss-gegen-facebook/#respond Mon, 25 Feb 2019 19:00:46 +0000 https://digital-danach.de/?p=3353

Wie Heise, ZEIT und andere am Wochenende meldeten, wurde Facebook offenbar zu einem Zwangsgeld von 10.000 Euro verurteilt. Nach Angaben des Anwalts der Erben, Christian Pfaff, leistete Facebook dem BGH-Urteil ... Weiterlesen ...

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Wie Heise, ZEIT und andere am Wochenende meldeten, wurde Facebook offenbar zu einem Zwangsgeld von 10.000 Euro verurteilt. Nach Angaben des Anwalts der Erben, Christian Pfaff, leistete Facebook dem BGH-Urteil aus dem Juli 2018 nicht ausreichend Folge.

Dateneinsicht vs. vollwertiger Login

Kurze Auffrischung: 2012 wurde ein damals 15-jähriges Mädchen von einer U-Bahn erfasst und kam ums Leben. Die Eltern wollten im Facebook-Account der Tochter und in deren privater Korrespondenz nach Hinweisen suchen, ob es sich um einen Suizid gehandelt haben könnte. Scheinbar kein Problem: Die Eltern verfügten über die Login-Daten der Tochter. Der Account war allerdings bereits in den Gedenkzustand versetzt worden – die Eltern waren folglich ausgesperrt. Also zogen sie vor Gericht, erst vors Landgericht Berlin, dann vors Kammergericht Berlin und schließlich vor den BGH.

In dritter und letzter Instanz verurteilte dieser Facebook im Juli 2018, den Eltern Zugriff zu gewähren: Diese hätten ein Recht darauf, den Vertrag anstelle der Erblasserin zu übernehmen und zu verwenden. Anscheinend hat Facebook den siegreichen Erben aber nur einen „USB-Stick mit einem 14.000 Seiten langen PDF-Dokument zur Verfügung gestellt“ (Heise). Der Anwalt hat nun ein Zwangsgeld erwirkt, um Facebook dazu zu bringen, vollen Zugriff zu gewähren.

Voller Zugriff: Aus Sicht von Facebook problematisch

Schenkt man Facebooks Argumentation Glauben, dann würde der Konzern der Familie gerne Zugriff gewähren. Allein:

Facebook erklärte, die Einrichtung eines „passiven Modus“, bei dem man auf Inhalte zugreifen, aber nicht darüber kommunizieren kann, sei technisch unmöglich. Im originalen, aktiven Modus verschickt ein Facebook-Profil beispielsweise auch selbsttätig Erinnerungen an Freunde. (Heise)

Und das beißt sich wohl mit anderen Pflichten Facebooks bzw. den Rechten anderer Nutzer.

Was Facebook mit diesem Schritt bezweckt, ist Spekulation: Spielt das Unternehmen auf Zeit? 10.000 Euro werden wohl nicht einmal in der Portokasse groß zu Buche schlagen. Facebook kann also weiter rechtliche Schritte prüfen. Ich halte es jedenfalls für unwahrscheinlich, dass Facebook klein beigeben und akzeptieren wird, dass das deutsche Erbrecht den Gedenkzustand, den Nachlasskontakt und die dahinterstehenden AGB-Sätze und Features aushebelt.

Was lernen wir daraus?

Der Vorfall offenbart, dass das ganze Thema „Nutzer-Accounts vererben“ doch nicht so einfach gelagert ist, wie sich das der Gesetzgeber und manche Anwälte vorstellen: Internationale Unternehmen zu einem bestimmten Verhalten zu zwingen, ist schwierig. Zudem können die nationalen Gesetzgebungen verschiedener Länder einander widersprechen. Und das Erben von verschlüsselter Kommunikation, die in einem abgeschlossenen Okösystem liegt, ist nicht einfach vergleichbar mit Briefen, die sich im Hausflur stapeln. Man darf also gespannt sein, wie dieser Fall weitergeht.

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Kurzstudie zum digitalen Nachlass der Verbraucherzentrale Niedersachsen https://digital-danach.de/kurzstudie-zum-digitalen-nachlass-der-verbraucherzentrale-niedersachsen/ https://digital-danach.de/kurzstudie-zum-digitalen-nachlass-der-verbraucherzentrale-niedersachsen/#respond Tue, 30 Oct 2018 16:21:09 +0000 https://digital-danach.de/?p=3271 Die Verbraucherzentrale Niedersachsen veröffentlichte am 15. Oktober 2018 eine 36-seitige PDF-Broschüre mit dem Titel „Digitaler Nachlass: Umgang mit Benutzerkonto und Daten nach dem Tod. Was Verbraucher wissen müssen – Ergebnisse ... Weiterlesen ...

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Die Verbraucherzentrale Niedersachsen veröffentlichte am 15. Oktober 2018 eine 36-seitige PDF-Broschüre mit dem Titel „Digitaler Nachlass: Umgang mit Benutzerkonto und Daten nach dem Tod. Was Verbraucher wissen müssen – Ergebnisse eines Praxistests“. Wir haben uns die Publikation genauer angeschaut.

Der Titel der Broschüre klingt vielversprechend und lässt auf ein Update der Verbraucherzentralen zum Thema digitaler Nachlass hoffen. Denn seit der themenspezifischen Kampagne #machtsgut der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) im Jahr 2014 ist viel passiert (siehe dazu auch die Artikel #machtsgut – Das Portal der Verbraucherzentralen: ein Test und #machtsgut – ein Interview mit Barbara Steinhöfel). Als aktueller Anlass für die Broschüre wird das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 12 Juli 2018 genannt, das jetzt offiziell die Vererbbarkeit von Nutzer-Accounts bestätigt.

Im Rahmen einer kleinen, nicht repräsentativen Stichprobe hat die Verbraucherzentrale Niedersachsen überprüft, inwiefern Online-Unternehmen über Regelungen im Todesfall informieren und ob Verbraucher und deren Hinterbliebene Benutzerkonten löschen können (hier gehts zur Kurzstudie).

Aufbau der Kurzstudie

Die Arbeit geht eingangs kurz auf die aktuelle Rechtslage ein und präsentiert auf den nächsten Seiten die Ergebnisse des Praxistest, für den die Verbraucherzentrale Niedersachsen 14 zufällig ausgewählte Dienste näher angeschaut hat, und zwar

  • die E-Mail-Dienstleister GMX, WEB.DE, Kabelmail, Gmail
  • die Sozialen Medien/Messenger Facebook, Instagram, WhatsApp
  • die App-Stores iTunes, Google Play
  • die Onlinehändler Amazon und ebay
  • die Bonussysteme PAYBACK und DeutschlandCard
  • und die Suchmaschine Google

Nach dem Fazit gibt es eine kurze Handlungsempfehlung für Verbraucher und einen kleinen Forderungskatalog.

Die Ergebnisse

Für den Praxistest hat sich die Verbraucherzentrale wie wir bei unseren Untersuchungen (siehe z. B. unseren Artikel zu Web.de) die AGB, FAQs und Hilfebereich vorgenommen und dabei untersucht, inwieweit die 14 Anbieter auf das Thema digitaler Nachlass eingehen. Es wurde recherchiert, ob Verbraucher ihre Konten löschen können, ob es evtl. einen Gedenkzustand gibt und welche Nachweise Angehörige bei einem Todesfall erbringen müssen. Zudem wurden alle Anbieter kontaktiert und um schriftliche Stellungnahmen gebeten. Fünf von 14 haben geantwortet und im Grunde die Recherchen bestätigt.

Die Ergebnisse werden in aller Kürze und mit zahlreichen Screenshots angereichert vorgestellt. Hier hätte man den Verbraucherinnen und Verbrauchern zuliebe etwas detaillierter vorgehen können. So fehlt bei den Ergebnissen zum Thema E-Mail-Anbieter (S. 7–14) z. B. ein Hinweis darauf, dass ein E-Mail-Konto erst dann gelöscht werden sollte, wenn der digitale Nachlass abschließend geordnet und sortiert ist. Würde es schon zu Beginn einer Nachlassverwaltung gelöscht werden, würde der wichtigste Ausgangspunkt für weitere Recherchen verloren gehen, ohne den sich Hinterbliebene unnötig schwer tun dürften.

Zudem wird in Sachen Gmail und Google schlicht festgestellt: „In den Nutzungsbedingungen finden sich keine Regelungen zum digitalen Nachlass“ (S. 14). Hier hätte man unbedingt den Kontoinaktivitätsmanager erwähnen sollen, mit dem Google wie kaum ein anderes Unternehmen Nutzern ein Mittel an die Hand gibt, um zu Lebzeiten vorzusorgen. Zugegebenermaßen ist er nicht unter dem Stichwort „Tod“ zu finden, diese Begrifflichkeit vermeidet Google, wie wir schon bei unseren Recherchen 2015 festgestellt haben: „Spannend ist übrigens, dass Google in den Hilfeseiten an keiner Stelle von Tod und Sterben spricht. Eine sinnvolle Sterbevorsorge ist der KIM [Anm. d Red.: Kontoinaktivitäts Manager] natürlich trotzdem.“ (Dennis Schmolk, Vorsorgen bei Google: Der Kontoinaktivitäts-Manager)

Auch nicht ganz nachvollziehbar ist, warum untersucht wurde, ob es für E-Mail-Konten einen Gedenkzustand gibt. (S. 7 und S. 8). Für soziale Netzwerke und Comunnities ist das sehr sinnvoll, für ein E-Mail-Konto nicht wirklich nötig.

Das Fazit der Verbraucherzentrale Niedersachsen

Das Fazit (ab S. 29) zum Umgang der Online-Anbieter mit dem Themenkomplex digitaler Nachlass überrascht nicht: Anbieter informieren kaum über das Thema, jedes Unternehmen regelt es anders und die Begrifflichkeit „digitaler Nachlass“ findet noch kaum Verwendung.

Dafür war es bei allen getesteten Accounts möglich, die Löschung entweder selbstständig anzustoßen oder zumindest zu veranlassen. Die Löschvoraussetzungen und der -prozess selbst sind dabei aber oft nutzerunfreundlich.

Entsprechend adressiert die Verbraucherzentrale ihre vier Forderungen an die Unternehmen:

  • Anbieter sollten besser über den digitalen Nachlass informieren

  • Als Nachweis sollten eine Ausfertigung oder eine beglaubigte Abschrift der letztwilligen Verfügung (Testament, Erbvertrag) sowie die Niederschrift über die zugehörige Eröffnungsverhandlung ausreichen

  • In den AGB dürfen Anbieter weder die Frage des Erbfolgenachweises, noch die Vererblichkeit selbst ausschließen

  • Unnötige Barrieren sind zu vermeiden. Wünschenswert wäre es, wenn Verbraucher direkt im Benutzerkonto eine Vertrauensperson sowie ggf. Wünsche für den Umgang mit dem digitalen Dienst hinterlegen könnten

Unser Fazit: Ein guter Überblick

Der Test bleibt an der Oberfläche. Die Stichprobe zeigt dafür umso deutlicher: Trotz des Urteils im Juli bleibt die Situation wie schon zuvor für Hinterbliebene umständlich, zeitintensiv und aufwendig. Die eingangs geschilderten rechtlichen Grundlagen erfüllt fast keiner der getesteten Anbieter – die Verbraucherzentrale hat aber anscheinend auch nicht spezifisch nachgehakt. Einen eigentlichen „Praxistest“ gab es nicht, nur Recherchearbeit. Trotzdem ein guter Überblick und aktuelle Screenshots. Und das Fazit deckt sich mit dem, was auch wir immer wieder weitergeben: Vorsorgen ist das Beste, was man unternehmen kann.

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Digitaler Nachlass im Erbrecht: Regierung sieht keinen Handlungsbedarf https://digital-danach.de/digitaler-nachlass-im-erbrecht-regierung-sieht-keinen-handlungsbedarf/ https://digital-danach.de/digitaler-nachlass-im-erbrecht-regierung-sieht-keinen-handlungsbedarf/#respond Tue, 18 Sep 2018 10:04:05 +0000 https://digital-danach.de/?p=3256

Die Bundesregierung hat auf eine Kleine Anfrage der FDP geantwortet, die das Thema digitaler Nachlass behandelt. Die FDP hatte nachgefragt, wie es um die Pläne der Regierung bestellt sei, digitale ... Weiterlesen ...

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Die Bundesregierung hat auf eine Kleine Anfrage der FDP geantwortet, die das Thema digitaler Nachlass behandelt. Die FDP hatte nachgefragt, wie es um die Pläne der Regierung bestellt sei, digitale Nachlässe im Erbrecht zu berücksichtigen. Die Antwort: Die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf.

„Das jetzige Erbrecht plus Vertragsrecht reichen aus“

Tenor laut dpa-Meldung (z.B. im Handelsblatt):

[Die] Rechtsbeziehungen zwischen privaten Anbietern und ihren Kunden auch in Bezug auf die Rechtsnachfolge beruhten auf privatrechtlichen Verträgen, für die grundsätzlich die Vertragsfreiheit gelte. Ob bestimmte Regelungen – etwa die Löschung von Daten im Todesfall oder ein Verfall von Online-Musiksammlungen – wirksam vereinbart werden könnten, sei „eine Frage des Einzelfalls“, den „im Streitfall die unabhängigen Gerichte“ zu entscheiden hätten. Das Bürgerliche Gesetzbuch gebe den Rahmen vor.

Anlass für diese optimistische Sichtweise der Regierung war u.a. das Facebook-Urteil des Bundesgerichtshofs, der nach 3 Jahren und in dritter Instanz Klarheit geschaffen hat: Facebook muss den Erben einer 15-Jährigen Zugriff auf deren Account gewähren. Nicht unbedingt ein Beispiel für Effizienz und Praxisnähe.

Alles geklärt?

Wir haben schon zum BGH-Urteil Zweifel angemeldet, dass diese Rechtsprechung die Sorgen von Erben aus der Welt schafft. Zu vieles bleibt ungeklärt – etwa die Frage, auf welche anderen Account-Verträge das Urteil anzuwenden ist. Oder auch, was mit Dateien auf lokalen oder Cloud-Speichern geschieht und ob es Ausnahmen für Accounts gibt, die Zugriff auf hochsensible Daten, vertrauliche Kommunikation und Geheimnisse erlauben.

Die Aussage der Bundesregierung, dass privatrechtliche Verträge plus Rechtsprechung alles Relevante regelt, stimmt vermutlich; eine gesetzgeberische Lösung wäre aber wahrscheinlich einfacher, schneller und effizienter.

Image: Photo by Joakim Honkasalo on Unsplash

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Facebook als Briefkasten? Ein Kommentar zum BGH-Urteil im Facebook-Streit https://digital-danach.de/facebook-als-briefkasten-ein-kommentar-zum-bgh-urteil-im-facebook-streit/ https://digital-danach.de/facebook-als-briefkasten-ein-kommentar-zum-bgh-urteil-im-facebook-streit/#comments Fri, 13 Jul 2018 17:44:46 +0000 https://digital-danach.de/?p=3238

Jetzt ist es also soweit: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das lange erwartete Urteil im „Facebook-Fall“  verkündet, bei dem sich die Eltern eines mit 15 verstorbenen Mädchens und Facebook gegenüberstanden. Im ... Weiterlesen ...

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Jetzt ist es also soweit: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das lange erwartete Urteil im „Facebook-Fall“  verkündet, bei dem sich die Eltern eines mit 15 verstorbenen Mädchens und Facebook gegenüberstanden. Im Mittelpunkt des jahrelangen Streites stand die Frage, ob die Eltern als Erben Zugang zum FB-Konto ihrer Tochter erhalten sollten. Für beide Positionen gab es gute Gründe. Bei digital.danach sind wir überzeugt, dass in Sachen digitaler Nachlass trotz des Urteils (oder gerade deswegen) noch lange nicht das letzte Wort gesprochen sein wird.

Bereits nach dem Verhandlungstermin am 21. Juni 2018 war die Tendenz des BGH wahrscheinlich – das Urteil würde wohl für die Erben ausfallen. Und so war es dann bei der Verkündung am 12.07.2018 auch (hier die Pressemeldung des BGH).

Rechte und Pflichten

Vertreter des deutschen Erbrechts sind mit dieser Entscheidung zu Gunsten der Erben zufrieden – das Urteil bestätigt, wofür sie sich schon lange einsetzen. Matthias Pruns z. B. spricht von einem „richtigen Urteil“. Er weißt aber auch auf die daraus entstehenden Pflichten der Erben hin:

Gestärkt wird hiermit die Rechtsstellung der Erben – aber mit jedem Recht gehen auch Pflichten und Verantwortung einher.

Und: Auch die Interessen der Kommunikationspartner der Verstorbenen seien weiterhin berechtigt:

Berechtigte Interessen der Kommunikationspartner, etwa auf Löschung bestimmter intimer Inhalte, sind dadurch nicht ausgeschlossen. Die Kommunikationspartner müssen sich aber an die Erben wenden. Die Betreiber sozialer Netzwerke treffen hier keine Treuhandaufgaben.

(RA Matthias Pruns am 12.07.2018 bei StiftungsrechtPlus)

Ein Aber bleibt

Was mich trotz allem nachdenklich zurücklässt, ist der Vergleich der Kommunikation bei Facebook mit Briefwechseln und Tagebüchern, wie er schon oft gezogen wurde und wie ihn auch der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung macht. Dieser Vergleich greift meiner Meinung nach viel zu kurz. Denn was in einem Facebook-Account an Kommunikation abläuft, ist deutlich mehr als ein analoger Briefwechsel: Wer Zugang zu einem Facebook-Account hat, der kann nicht nur private Chats nachverfolgen, die einem Briefwechsel tatsächlich noch relativ nahe kommen. Sondern er erhält auch automatisch Zugriff auf die geschlossenen Gruppen, in denen der Verstorbene Mitlgied war, ohne dass die anderen Gruppenmitglieder davon erfahren.

Die Kommunikation, die dort stattfindet, steht im Vergleich zu einem Briefwechsel auch nicht still, nachdem ein Teilnehmer verstorben ist, sondern läuft weiter. Die Erben hätten also auch Zugang zu Gesprächen, an denen der Verstorbene nie beteiligt war. Diese Zugriffsmöglichkeiten, die ein Facebook-Login mit sich bringt, sind also wesentlich weitreichender als bei einem postalischen Briefkasten.

Viele offene Fragen für die Zukunft

Prinzipiell ist es begrüßenswert, dass den Erben die Regelung des digitalen Nachlasses erleichtert wird. Und gerade, wenn Vorsorgende vorgesehen haben, dass ihre Erben ihre Accounts ihren Wünschen gemäß verwalten sollen, ist das eine wichtige Grundlage. Nichtsdestotrotz sollten die Rechte der Kommunikationspartner jetzt nach diesem Urteil nicht aus dem Blick verloren werden. Gerade jetzt, wo wir im Rahmen der DSGVO versuchen, die Daten der Verbraucher stärker zu schützen.

Deswegen: Zugang für Erben ja, aber mit Bedacht. Dass sich Kommunikationspartner erst aktiv an die Erben wenden müssen, kann nicht die Lösung sein – oft werden sie nämlich gar nicht wissen, dass ein Gesprächspartner bereits verstorben ist, und unter dessen Namen evtl. ein Erbe mitliest. Wer nicht direkt über einen Todesfall informiert wird, sieht einem Account nicht an, ob der Mensch dahinter noch lebt oder bereits verstorben ist. Es werden also definitv in Zukunft noch viele Fragen in Bezug auf digitale Nachlässe zu verhandeln sein.

Vorsorge bleibt nach dem Urteil das wichtigste Thema

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich auch jetzt, nach diesem Urteil, Gedanken über eine Vorsorge für die eigenen digitalen Angelegenheiten machen und eigene Wünsche formulieren. Wer zum Beispiel nicht möchte, dass bestimmte Daten oder Zugänge an die Erben übergehen, sollte das unbedingt festhalten.

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Trauer im Game: Dan Hetts experimentelle Spiele https://digital-danach.de/trauer-im-game-dan-hetts-experimentelle-spiele/ https://digital-danach.de/trauer-im-game-dan-hetts-experimentelle-spiele/#respond Thu, 17 May 2018 16:32:34 +0000 https://digital-danach.de/?p=3221

Schon mehrmals haben wir bei digital.danach über die Art und Weise berichtet, wie Menschen mit ihrer Trauer im Internet umgehen. Der britische Software-Entwickler Dan Hett verarbeitet seine Erfahrungen um den ... Weiterlesen ...

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Schon mehrmals haben wir bei digital.danach über die Art und Weise berichtet, wie Menschen mit ihrer Trauer im Internet umgehen. Der britische Software-Entwickler Dan Hett verarbeitet seine Erfahrungen um den Tod seines Bruders auf seine ganz eigene Weise – er entwickelt Spiele. Wir haben uns eines davon näher angeschaut.

Wenn ich über Trauer im digitalen Raum spreche, zitiere ich gerne die Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin Anke Offerhaus, die in einem ihrer Aufsätze geschrieben hat:

„Medien dienen und dienten immer schon der Erinnerung an Verstorbene und sind somit essenziell für den Ausdruck von Trauer“

Offerhaus, Anke: Klicken gegen das Vergessen – Die Mediatisierung von Trauer- und Erinnerungskultur am Beispiel von Online-Friedhöfen, S. 39. In: Thomas Klie / Ilona Nord (Hrsg.): Tod und Trauer im Netz, (S. 37- 62).

Hier bildet auch das Internet keine Ausnahme. Menschen bloggen, gestalten Gedenkseiten, posten bei Facebook oder sprechen in YouTube-Videos über ihre Trauer. Über einen Artikel beim Guardian bin ich auf eine weitere Ausdrucksform aufmerksam geworden: Programmieren. Keza MacDonald stellt in ihrem Beitrag Games console: Dan Hett, the indie game designer pouring his grief into interactive art den Software-Entwickler und Digital-Künstler Dan Hett vor, der seine traumatischen Erfahrungen um den Tod seines Bruders in autobiographischen, experimentellen Games verarbeitet.

Hetts jüngerer Bruder Martyn kam letztes Frühjahr beim Terroranschlag auf ein Popkonzert in der Manchester Arena (Manchester Arena bombing, 22. Mai 2017) ums Leben. Die letzte Nachricht, die er seinem großen Bruder schrieb, wird namensgebend für dessen erstes Spiel: C ya laterrrr.

Bei C ya laterrrr handelt es sich um Hypertextfiction. Weniger Videospiel als viel mehr eine interaktive Story, bei der die Leser / Spieler wählen können, wie die Geschichte weitergeht. In dieser Form verarbeitet Hett seine Erlebnisse und Gedankengänge rund um das Unglück:

“Ultimately, everyone has different ways of dealing with grief and trauma, and this is mine. If I were a painter or poet or something, then it would be wholly reasonable for my painting or poetry to take on a different tone based on this kind of massive life experience. Unfortunately I’m neither a painter or a poet, but I certainly do design video games, and here I am.”

Nicht nur Hetts tatsächliche Erlebnisse fließen in das Spiel mit ein, sondern auch seine vielen „Was-wäre-wenn“-Gedankengänge. Alle zusammen bilden die Erzählgrundlage, aus der die Spieler selbständig ihren Story-Pfad auswählen, indem sie Entscheidungen treffen müssen. Hier ein paar Beispiele:

Screenshot aus Dan Hetts Hyperfiction-Game C ya laterrrr: Was willst du als nächstes tun?
Beispiel 1: Du hast zahlreiche verpasste Anrufe und ungelesene Nachrichten auf deinem Handy – was machst du als erstes? (Screenshot aus Dan Hetts Hyperfiction-Game „C ya laterrrr“)
Screenshot aus Dan Hetts Hyperfiction Game „C ya laterrrr“: Du schreibst deinem Vater eine Textnachricht.
Beispiel 2: Du versuchst, deinen Vater zu erreichen. (Screenshot aus Dan Hetts Hyperfiction Game „C ya laterrrr“)
Beispiel 3: Du trittst vor die Haustür (Screenshot aus Dan Hetts Hyperfiction Game „C ya laterrrr“)
Beispiel 3: Es hat geklingelt. Du trittst vor die Haustür. (Screenshot aus Dan Hetts Hyperfiction Game „C ya laterrrr“)

Eindrücklich ist auch die Vermisstensuche via Social Media. Dan Hetts tatsächlicher Suchaufruf bei Twitter, der 9.949 Mal retweetet wurde (Stand 17.05.2018), wird ebenfalls Teil der Story: Die Spieler entscheiden dabei wie vor ihnen bereits Hett, ob sie für diesen Tweet das neueste Foto seines Bruders posten möchten, oder das, auf dem er am glücklichsten aussieht.

Egal, welche Entscheidungen die Spieler letztendlich treffen – das Ende bleibt gleich.

Inzwischen wurde C ya laterrrr ca. 12.000 Mal gespielt. Hett fragt sich, wie viele der Spieler wohl zufällig genau den Weg genommen haben, den auch er selbst gewählt hat.

Dan Hetts zweites Spiel über Martyns Tod, The Loss Levels, wurde Anfang April auf dem Now Play This Festival in London gezeigt. Momentan arbeitet er am dritten mit dem Titel Sorry to Bother You. Und er hat bereits den Plan für eine technisch komplexeres Game im Kopf: Closed Hands.

 

Hier kann C ya laterrrr kostenfrei gespielt werden: https://danhett.itch.io/c-ya-laterrrr – Spenden sind willkommen.

Mehr zum Thema Spiele und Trauer gibt es in unserem Artikel über Trauerkultur in Computerspielen.

 

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Kunstprojekt „Life Is Good For Now“: Ludwig Zeller und Bernd Hopfengärtner im Interview https://digital-danach.de/ludwig-zeller-und-bernd-hopfengaertner-im-interview/ https://digital-danach.de/ludwig-zeller-und-bernd-hopfengaertner-im-interview/#respond Fri, 13 Apr 2018 09:24:28 +0000 https://digital-danach.de/?p=3140

Im März haben wir an dieser Stelle das Kunstprojekt Life Is Good For Now vorgestellt, in dem digitaler Nachlass eine wesentliche Rolle spielt. Heute befragen wir die beiden Künstler, Ludwig Zeller ... Weiterlesen ...

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Im März haben wir an dieser Stelle das Kunstprojekt Life Is Good For Now vorgestellt, in dem digitaler Nachlass eine wesentliche Rolle spielt. Heute befragen wir die beiden Künstler, Ludwig Zeller (LZ) und Bernd Hopfengärtner (BH), zu den Hintergründen. 

Können Sie mir etwas zum Hintergrund des Projekts erzählen? Was gab den Impuls? Wie entstand es?

Portrait Ludwig Zeller, (c) Samuel Hanselmann
Ludwig Zeller, (c) Samuel Hanselmann

LZ: Das Projekt entstand als ein Beitrag zur Ausstellung ‚Poetics and Politics of Data’, welche 2015 im Haus der elektronischen Künste in Basel stattfand. Das Schweizerische Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS) finanzierte und beauftragte uns, mit dieser spekulativen Arbeit die Frage nach den Interferenzen der Big Data Industrie und der Medizinforschung öffentlichkeitswirksam zu inszenieren.

Bernhard Hopfengärtner. Installation von Olafur Elliason aufgenommen (grün beleuchteteter Nebelraum)
Bernhard Hopfengärtner. Installation von Olafur Elliason aufgenommen (grün beleuchteteter Nebelraum)

Wir standen in einem recht engen Kontakt und erhielten durch die TA-SWISS wichtige Impulse für die Recherche der Faktenlage zu unseren fiktionalen Szenarien. Im Speculative Design sind derartige Kollaborationen allerdings nicht ungewöhnlich, obgleich diese natürlich auch zur Limitierung von Fragestellungen führen können. Wir empfanden die Zusammenarbeit aber durchweg als positiv.

Sensible, aber wertvolle Medizindaten können auch posthum weitergegeben werden

In der Projektbeschreibung heißt es: It „discusses several scenarios for the further development of Big Data in medicine.“ Wie naheliegend war hier das Thema digitaler Nachlass für Sie? 

BH: Mit dem Tod wird häufig Persönliches der Allgemeinheit zugänglich gemacht (Briefwechsel verstorbener Persönlichkeiten) oder dem Gemeinwohl gestiftet. Bei medizinischen Daten scheint das sowieso sinnvoll zu sein. Sicherlich sind viele Menschen auch bereit, das zu Lebzeiten zu tun. In unserem Fall geht es aber um Lifestyle Daten, die ausgewertet werden, um medizinisch relevante Auswirkungen der Lebensgewohnheiten zu erforschen. Da ist zunächst einmal alles potentiell medizinisch relevant oder kann später für irgendeinen Zweck ausgewertet werden, den man noch gar nicht kennt. Das spräche für das Erfassen und Aufheben vieler Daten. Nur sind vielleicht einige so sensibel, dass man sie nicht zu Lebzeiten weitergeben möchte. Ultimativ würde dann im Nachlass entschieden, ob gelöscht oder weitergegeben wird.

 

Ausschnitt aus dem Videoprojekt „Life Is Good For Now“

Digitaler Nachlass spielt nicht nur in der Szene mit Fabian eine Rolle, der die Daten seiner Eltern erbt. Auch in den anderen Szenen schwingt mit, wie wertvoll die Daten eines Individuums über den Tod hinaus sind. Wann haben Sie sich das erste Mal mit diesem Thema beschäftigt?

BH: Mittlerweile ist das ja ein bekanntes Phänomen: Bei mir war es durch den Tod eines entfernten Facebook-Bekannten im Jahr 2008 und dem weiterexistieren des Facebook Profils, als ob nichts passiert wäre.

LZ: Bisher hatte ich damit noch keinen unmittelbaren Kontakt, aber das Thema ist mir ebenfalls schon lange geläufig. Wir beide interessieren uns schon seit mehr als zehn Jahren dafür wie digitale Systeme unsere Gesellschaft verändern. 2008 war es in der Tat noch überraschend, darüber nachzudenken, dass ein Social Media Profil zu einem Grabstein werden kann. Heute ist diese Überraschung weitestgehend verflogen und man fragt sich eher, wie man diesen Grabstein wohl angemessen pflegen würde.

Big Data: Lebenslang gesammelte Daten haben ungeahnten Wert für Forschung und Versicherungen

Informationelle Selbstbestimmung und digitaler Nachlass stehen in Life Is Good For Now in einem engen Bezug. Wie hängen sie genau zusammen?

BH: In den Nachlass kann nur fallen, worüber man selbst Verfügungsgewalt hat. Bisher ist dies in Bezug auf persönliche Daten ja nicht unbedingt der Fall.

LZ: Wir gingen letztlich von den Forderungen des Vereins “Daten und Gesundheit” aus, der sehr detailliert und realistisch entsprechende Gesetzesänderungen in der Schweiz befürwortet, die eine Vielzahl von Daten in die Hände der Schweizer Bevölkerung zurückgeben wollen. Der Verein agiert dabei nicht ganz altruistisch. Er erhofft im Zuge der Rückführung dieser Daten in die Hände derjenigen, die sie betreffen, dass diese Daten dann von der Bevölkerung in hohem Maße der medizinischen Forschung zur Verfügung gestellt werden würden. Wir wollten zum einen zeigen, welchen Wert ein lebenslang erhobener Datensatz für die Forschung und Krankenkassen haben kann und wie entsprechende Tauschmodelle aussehen könnten. Und ja, wir wollten als Videomacher in erster Linie überraschen und zum Nachdenken anregen.

Ausschnitt aus dem Videoprojekt „Life Is Good For Now“

Informationelle Selbstbestimmung fehlt uns (noch). Und tatsächlich habe ich bei meiner Arbeit manchmal den Eindruck, dass Menschen mehr bewegt, was mit ihren Daten nach ihrem Tod passiert als zu ihren Lebzeiten. Ist das paradox?

BH: Hier gibt es natürlich einen Perspektivwechsel. Die meisten Daten entstehen als Nebenprodukte vieler Tätigkeiten, als Effekt unseres Handelns. Wir sind dann eben mit den Dingen beschäftigt, die wir gerade erleben oder erledigen wollen und nicht mit den Daten, die dabei entstehen. Wenn wir uns über die Verwendung unserer Daten nach dem Tod Gedanken machen, geraten sie als Ganzes in den Blick und wir fragen und welches Bild sie von uns zeichnen und verewigen.

LZ: Und dieses Bild wird ja nun wirklich immer präziser. Natürlich kann sich ein Mensch dafür entscheiden, mit dem Ableben auch die Hoheit darüber abzugeben was die Mitmenschen von einem wahrnehmen. Schließlich verliert man ja auch die Kontrolle über seinen Körper. Aber die Idee, dass zu Lebzeiten verheimlichte Bilder und Schriftwechsel letztlich publik werden, und zukünftige Verfahren der Datenanalyse, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können, uns durchleuchten werden, ist heute zumindest ein ungewohnter und somit interessanter Gedanke.

Der digitale Nachlass als Last

In Deutschland führen wir momentan eine intensive Debatte über die Vererbbarkeit des digitalen Nachlasses. Vor allem aus erbrechtlicher Perspektive sollen die Rechte der Erben auf Zugang zum digitalen Nachlass gestärkt werden. In diesem Zusammenhang gefällt mir folgender Satz Fabians besonders gut: „Das Problem ist, dass man eigentlich alles findet, was man sucht, und eigentlich auch alles, was man vermutet, belegen kann“. Stellt der Daten-Nachlass nicht nur einen Wert, sondern auch eine emotionale Last dar, mit der wir evtl. nicht umgehen können?

LZ: Ich sehe momentan fast täglich eine Videowerbung im Internet, die einen Dienst für das Auffinden von Verwandten durch DNA-Analysen anpreist. Darüber hinaus bieten solche Dienste auch Risikoprognosen für das Eintreten vererblicher Krankheiten an. Das stößt teilweise auf erheblichen behördlichen Widerstand, um die öffentlichen Krankenkassen nicht einem Ansturm von Prophylaxepatienten auszusetzen. Diese Dienste entstehen, weil es einen tatsächlichen Markt dafür gibt und die technischen Möglichkeiten scheinbar existieren. In unserem Szenario werden neben somatischen auch psychologische Gutachten durch algorithmische Analysen von Nachfahren posthum erstellt.

Definitiv muss man sich in diesem Fall fragen, welche psychologischen Missbräuche damit denkbar wären. Das beste Gegengift wäre aber bereits hier und heute eine Aufklärung darüber, was Big Data und Machine Learning wirklich leisten können – und was nicht. Denn letztlich sind viele dieser Prognosetechniken erst kulturell mächtig, wenn wir ihnen bedingungslos glauben schenken. Hier sehe ich aktuell einen großen Bedarf für technologische Bildung und Aufklärung.

Ausschnitt aus dem Videoprojekt „Life Is Good For Now“

Der digitale Nachlass als Wert

Was meinen Sie: Was sind unsere Daten wert?

BH: Scheinbar soviel, dass wir eine Vielzahl digitaler Dienste umsonst nutzen können. Aber das ist sicherlich aufgeblasen durch billiges Geld, das in irgendwelche Startups gesteckt wird. Im Moment glauben wir alles sei digital zu lösen. Das legt nahe, dass auch der monetäre Wert der Daten etwas aufgeblasen ist. Meistens geht es ja auch um die statistische Auswertung der Datenspuren möglichst vieler Nutzer. Da ist der einzelne Datensatz gar nicht so wichtig. Andererseits ist das natürlich davon abhängig welche Fragen man an die Daten richtet. Und wenn man nicht vom monetären Wert spricht, ist natürlich alles offen.

Ausschnitt aus dem Videoprojekt „Life Is Good For Now“

Was passiert mit dem Werk nach dem Tod des Künstlers?

Taucht das Thema digitaler Nachlass auch noch an einer anderen Stelle in Ihrer Arbeit auf?

BH: Nein.

LZ: Man muss anmerken, dass wir vermeiden, politisch Stellung zu beziehen und insofern nicht an der Umsetzung oder Vermeidung spezifischer Szenarien arbeiten. Es geht uns zwar um die Aktivierung des öffentlichen Interesses, aber wir wollen dies möglichst dialektisch und neutral realisieren. Wir haben ein Interesse an einer Metaethik, aber nicht einer Moral des Digitalen, für die wir dann normativ argumentieren würden. Insofern sind wir thematisch recht mobil.

Und noch eine Frage zum Schluss: Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, was mit Ihrem eigenen digitalen Nachlass, also z.B. auch dem Film, geschehen soll?

LZ: Tatsächlich hatte ich seit 2001 fast keinen Datenverlust mehr. Also ich stelle mir das in etwa so vor: Meine letzten Jahre werde ich relativ immobil größtenteils in virtuellen Netzwerken verbringen, mit Hilfe derer ich zum einen große Teile meines Lebens medial wiederaufleben lassen kann und zum anderen auch in regem Austausch mit meinen noch lebenden Freunden stehen werde. Ich denke, ich werde auch bis ins hohe Alter noch verschiedene publizistische Tätigkeiten ausüben können. Auch, wenn große Anstrengungen natürlich dann nicht mehr denkbar sind.

Ob ich dann mein digitales Leben einer Art Open-Source-Lizenz unterstelle oder doch lieber in einen digitalen Totengräber investiere, der mit juristischen Mitteln bis ins kleinste Detail meine Löschung durchsetzt, das muss ich mir noch überlegen. Ist ja hoffentlich noch ein bisschen Zeit. Und Überzeugungen sind schließlich dafür da, dass man sie immer wieder neu bewertet, lol.

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Im Neo Magazin Royale vom 22.3. (verfügbar bis einschließlich 21.06.2018) spielt Moderator Jan Böhmermann mit seinem Gast Manuel Möglich das neue Spiel „Rest in Tweets“. Wer sich das ansehen will: Das ... Weiterlesen ...

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Im Neo Magazin Royale vom 22.3. (verfügbar bis einschließlich 21.06.2018) spielt Moderator Jan Böhmermann mit seinem Gast Manuel Möglich das neue Spiel „Rest in Tweets“. Wer sich das ansehen will: Das Spiel startet ab Minute 35.

Worum geht’s?

Im Spiel werden Böhmermann und Möglich Fake-Tweets eingeblendet, die sie dann historischen oder fiktiven Personen zuordnen müssen. Die Bandbreite reicht von Jesus bis Tupac, von Caesar bis bis zum Bösen Märchenwolf. Spoiler: Böhmermann gewinnt sehr deutlich, auch unabhängig von einem dicken Patzer seines Gastes.

Manuel Möglichs Spielfehler: Er tippt auf Dirk Bach.

Der Studiogast tippt an einer Stelle, dass es sich beim (Fake-) Tweet um den letzten Tweet Dirk Bachs handele. In Wirklichkeit wurde der Tweet

Achtung, Geheimrezept: Ein Erdnussbuttersandwich mit Schlaftabletten, Abführmitteln und Beruhigungstabletten!!!!! #IchHabHungerGames #OneForTheMoneyTwoForTheShow #HatteBockMeinenTodVorzutäuschenUndNachBuenosAiresZuZiehen

Elvis Presley in den Mund gelegt. Die ersten beiden Hashtags beziehen sich auf Elvis‘ Leben. Einerseits auf seinen … großen Appetit am Lebensabend gepaart mit einer Anspielung auf The Hunger Games. Und andererseits auf seinen ersten großen Hit, das Cover von Blue Suede Shoes. Der letzte Hashtag nimmt Verschwörungstheorien rund um Elvis mögliches Weiterleben auf.

Aufmerksame Leser von digital-danach.de wissen natürlich seit Langem (genauer gesagt: seit 2 Jahren), welches der letzte Tweet Dirk Bachs war.

Honorable Mention: Der Nachlasskontakt

Jan Böhmermann lässt auch andere populäre Spielarten der digitalen Nachlassregelung nicht außen vor. Im Gespräch mit dem Studiogast geht es auch kurz darum, was mit Facebook-Profilen nach dem Tod des Nutzers passiert. Böhmermann hat auch hierfür schon einen Plan: Die Ehre, sein Nachlasskontakt zu werden, soll unter den Mitarbeitern verlost werden.

Featured Image: Screenshot der Facebook-Page des NMR.

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Digitaler Nachlass im Kunstprojekt Life Is Good For Now https://digital-danach.de/digitaler-nachlass-im-kunstprojekt-life-is-good-for-now/ https://digital-danach.de/digitaler-nachlass-im-kunstprojekt-life-is-good-for-now/#comments Fri, 16 Mar 2018 09:16:24 +0000 https://digital-danach.de/?p=3115

Die Künstler Ludwig Zeller und Bernd Hopfengärtner schufen 2015 das Videoprojekt Life Is Good For Now. Es entstand als Beitrag zur Ausstellung ‚Poetics and Politics of Data’, die 2015 im ... Weiterlesen ...

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Die Künstler Ludwig Zeller und Bernd Hopfengärtner schufen 2015 das Videoprojekt Life Is Good For Now. Es entstand als Beitrag zur Ausstellung ‚Poetics and Politics of Data’, die 2015 im Haus der elektronischen Künste in Basel stattfand. Das Videoprojekt diskutiert in vier Szenen verschiedene Zukunftsszenarien rund um die Anwendungsmöglichkeiten von Big Data im Medizinbereich – und dabei spielt das Thema digitaler Nachlass eine wesentliche Rolle. Eine Empfehlung!

Ausschnitt aus dem Videoprojekt "Life Is Good For Now" von Ludwig Zeller und Bernd Hopfengärtner
Ausschnitt aus dem Videoprojekt „Life Is Good For Now“ von Ludwig Zeller und Bernd Hopfengärtner

Video: https://vimeo.com/130973509
Hintergrundinfos: https://www.ixdm.ch/life-is-good-for-now/

Szenario zum digitalen Nachlass

Das komplette Video ist sehenswert. Wer sich nur für den Themenbereich digitaler Nachlass interessiert, wird in der dritten Szene (ab 7:23 Minuten) fündig.

Darin erbittet sich der Protagonist Fabian von seiner Online-Community Rat bei einer Entscheidung: Seine Eltern, die im letzten Jahr verstorben sind, haben ihm ihren digitalen Nachlass vermacht. Jetzt, da die Erbangelegenheiten von Seiten des Notars geregelt sind, erhält Fabian Zugang dazu. Der digitale Nachlass setzt sich wie folgt zusammen:

  • „2,7 Millionen Bilder
  • 13175 Tage Video
  • 4810 ärztliche Befunde
  • eine zu 87% lückenlose Abdeckung der Schlaf-, Kalorien- und Herzraten
  • 31008 Telefonate
  • Konsumgüterumsatz im Wert von 1,5 Mio Schweizer Franken“

Fabian stellt fest:

„Das Problem ist, dass man eigentlich alles findet, was man sucht, und eigentlich auch alles, was man vermutet, auch belegen kann.“

So lässt sich durch eine Stimmlagenanalyse der Telefonate Fabians Vermutung belegen, dass seine Eltern seinen Bruder mehr geliebt haben, als ihn: Nämlich um 34% mehr.

Jetzt ist Fabian auf eine Krankenversicherung gestoßen, die ihm für beide Datensätze eine zehnjährige Gratismitgliedschaft bieten würde. Er bittet seine Comunity um Fedback, wie er handeln soll.

Die weiteren Szenarien

Im ersten der vier Szenarien berichtet Ariane in einem Brief Dolores aus einem Sanatorium. Ihre Gesundheitsdaten dienen als Grundlage für ihre Behandlung, gleichzeitig produziert sie währenddessen Unmengen neuer Daten:

„Was es nun schon alles von mir weiß“.

„Gesellschaft für wissenschaftliche und kommerzielle Datenkorrelation“

Im zweiten Zukunftsszenario (ab ca. 4 Minuten) verfolgt man ein geschäftliches Telefonat: Herr Gerber von der Schweizer Firma Mont Data, einer „Gesellschaft für wissenschaftliche und kommerzielle Datenkorrelation“, erklärt einem potentiellen Kunden Arbeitsweise und Möglichkeiten. Das Unternehmen „lagert“ Daten im Berg und bietet Forschern an, diese Daten für ihre Arbeit zu nutzen. Sie setzten sich unter anderem auch aus den Daten von Privatpersonen zusammen. Schon 6 Millionen Bürger hätten sich dazu entschieden, ihre Daten freiwillig mindestens einem Forschungsprojekt zur Verfügung zu stellen.

„Eine riesige Poesiemaschine“

Im vierten Szenario (ab 10:36 Min) erklärt eine Autorin einem kritischen Rezensenten, wie sie mit den Daten ihrer Leser umgeht. So haben z.B. die Protagonisten ihres aktuellen Buches Vorbilder in der Realität. Die Autorin hatte ihnen Flugtickets geschickt in der Hoffnung, dass im Urlaub etwas Erzählenswertes passiert. Aus den Datenspuren der beiden, die sie mitverfolgte, hat sie eine Story gewonnen. Ein anderer Leser stellte ihr für ihre Arbeit vier Millionen Datensätze zur Verfügung, die er über 30 Jahre gesammelt hatte.

„Die Menschen suchen das Wahre in den Daten. Und ich finde noch das Schöne, das Gute darin.“

Digitaler Nachlass in der bildenden Kunst

Das Thema digitaler Nachlass ist in der bildenden Kunst öfter Thema. 2017 hatten wir mit Leoni Fischers „Necropolis“ eine Kunst-Installation zum Thema vorgestellt. 

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