„Das Chaos beseitigen“ – Vorsorge-Dienstleister memoresa im Interview

Mit memoresa (Website) ging im Mai eine neue Vorsorge-Plattform für den digitalen Nachlass an den Start. Wir haben Jörg Schädlich, Mitgründer und CTO, zu einigen Details des Services befragt.

Wie kamen Sie auf die Idee zu memoresa?

Mein Geschäftspartner und Mitgründer von memoresa hatte einen schweren Fahrradunfall und lag auf der Intensivstation. Als Steffen aus dem Krankenhaus entlassen wurde, bat ihn seine Frau, eine Übersicht aller Verträge und Regelungen zu erstellen, bevor er wieder auf das Fahrrad steigt. Falls es das nächste Mal nicht so gut ausgehen sollte und sie sich dann um die laufenden Angelegenheiten kümmern müsste, hätte sie zumindest einen Überblick über die zu regelnden Angelegenheiten.

Bisher gab es jedoch kein digitales Angebot, das zufriedenstellend war. Als ITler kam Steffen dann die Idee, eine Plattform zu entwerfen, auf der man seine gesamten digitalen und analogen Angelegenheiten zu Lebzeiten und über den Tod hinaus regeln kann.

Wie bietet der Service Nutzern an und wie funktioniert er?

Joerg Schaedlich

memoresa ist eine Online-Plattform, die das Chaos wichtiger Dokumente, Verträge und Informationen beseitigt: Der digitale Zugang zu allen Dienstleistern kann einfach und datenschutzkonform gespeichert und verwaltet werden. Verträge, Versicherungen, Mitgliedschaften und dazu die passenden Log-Ins, Laufzeiten oder Kündigungsfristen: Der Nutzer hat alles im Blick und bestimmt, wer und wann er den Zugriff auf seine Dokumente gewährt – und das individuell für jedes einzelne Dokument zu Lebzeiten oder erst nach dem Tod.

Die Anmeldung erfolgt mit einem Klick per Google, facebook oder Linkedin und ist sowohl vom Handy, Tablet oder PC möglich. Ob Social Media Account, Versicherung oder Handy-Vertrag: für jedes Thema gibt es eine digitale Schublade, die mit einem Klick geöffnet werden kann. Auch das Hinterlegen wichtiger Dokumente ist ganz einfach: Statt endloser Formulare können Rechnungen per E-Mail weitergeleitet, Fotos von Dokumenten über die App hochgeladen oder das Browser-Plugin genutzt werden.

Nach diesem Schritt extrahiert memoresa automatisch die relevanten Informationen. Bei memoresa werden somit nicht nur Dokumente hochgeladen wie etwa in einer Cloud, sondern auch relevante Inhalte erfasst. So sind beispielsweise monatliche Kostenaufstellungen möglich. Auf dieser Basis besteht die Möglichkeit zu verschiedenen Sortiermöglichkeiten und Übersichten.

Darüber hinaus entscheidet der Nutzer selbst, was mit seinen Zugängen und Verträgen auch nach dem Tod oder im Falle eines Unfalls geschieht und kann sicherstellen, dass sich seine Hinterbliebenen nicht mit Institutionen oder sonstigen Vertragspartnern herumärgern müssen. Bürokratische Hürden werden so vermieden, da der Nutzer bereits jetzt dafür sorgt, was mit seinem digitalen Nachlass geschieht. Und Notfalldokumente wie z.B. eine Vorsorgevollmacht kann dem Bevollmächtigten einfach freigegeben werden, so dass dieser bei Bedarf sofort Zugriff darauf hat.

Wie genau erfährt Memoresa vom Tod des Nutzers – und wie schnell geht das?

memoresa kann über zwei Wege vom Ableben des Nutzers erfahren: Zum einen durch die von ihm bestimmte Vertrauensperson mit entsprechendem Nachweis, oder direkt vom zentralen Testamentsregister. Im Falle des Todes wird memoresa dann automatisch über den Todesfall des Nutzers informiert und leitet die Umsetzung seiner hinterlegten Regelungen ein.

Wie unterscheidet sich Memoresa von den Mitbewerbern (aktuellen wie vergangenen)?

Die Plattform bietet eine schier endlose Summe an Möglichkeiten zur Regelung und Verwaltung sowohl digitaler, als auch analoger Angelegenheiten. Entsprungen aus der Idee, den digitalen Nachlass komfortabel zu regeln, ist memoresa nun zu einer Plattform geworden, die seinen Nutzern auch zu Lebzeiten bereits einen Mehrwert bietet. Und das gepaart mit sehr hoher Nutzerfreundlichkeit. Das ist bisher einzigartig auf dem Markt.

Wie viele Mitarbeiter hat Memoresa aktuell?

Aus anfangs zwei Personen ist mittlerweile ein Team von 20 Leuten entstanden.

Der Claim von memoresa lautet: „Behalte den Überblick und regle Dein digitales Leben. Jetzt – für später – für immer.“ Wie stellen Sie sicher, dass das Angebot dauerhaft verfügbar bleiben wird? Das ist ja im Bereich digitaler Nachlass eines der schwierigsten Probleme. Ein Dienst, der sichere „Datentresore“ u.a. in der Cloud anbot, wurde vor einiger Zeit aufgekauft und vertreibt nun Produkte für den Trockenbau. Solche Szenarien fürchtet natürlich jeder Vorsorgende.

Wie erwähnt legen wir einen besonderen Wert auf die Nutzerfreundlichkeit. Wir ermöglichen jedem Nutzer zu jederzeit, seine Daten zu exportieren. Auf Knopfdruck werden so alle Regelungen, Angelegenheiten und Dokumente als pdf zur Verfügung gestellt.

Wie sicher sind die Daten bei Memoresa? Haben Memoresa-Mitarbeiter Zugriff auf Nachrichten und Dokumente der Nutzer?

Die Sicherheit der Daten hat bei uns höchste Priorität. Server in Deutschland und optionale Zwei-Faktor-Authentisierung sind nur zwei Stichworte. Mit der entsprechenden Vollmacht des Nutzers und nach dessen Tod, erhält unser Backoffice Zugriff auf die Daten, um die Regelungen des Verstorbenen umzusetzen. Selbstverständlich haben unsere Mitarbeiter entsprechende Verschwiegenheitsklauseln in Ihren Verträgen und handeln nur im Interesse des Nutzers – genau so, wie er es zu Lebzeiten bestimmt hat.

In Ihren FAQ heißt es: „Durch das Anlegen einer Vollmacht kannst Du verhindern, dass Deine Erben über Deine Daten walten können. Memoresa kann Deinen letzten Willen umsetzen und sich um Löschungen von Konten, Accounts und Verträgen kümmern.“ Wie stellen Sie sicher, dass die Erben besagte Vollmacht nicht widerrufen? Meines Wissens geht das gar nicht.

Wenn eine Vollmacht für den Todesfall ausgestellt wurde, wird diese gleich nach bestätigter Meldung des Todesfalles ausgeführt. In der Theorie wäre es möglich, dass die Erben eine solche Vollmacht widerrufen, allerdings nur bis zur Ausführung. Dafür müssten zwei Dinge eintreten: Sie müssen von der Vollmacht wissen und dann auch noch vor der Ausführung der Vollmacht widersprechen. Praktisch gesehen ist das kaum möglich.

© Foto Jörg Schädlich: Alexander von Spreti

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