Websites und Blogs nach dem Tod ihres Betreibers finden und verwalten

Viele Menschen haben eine „eigene“ Website mit eigener .de- oder .com-Domain und eigenen Inhalten – für ihren Beruf, ihren Nebenerwerb, für einen Verein oder zu einem Hobby. Andere betreiben Blogs bei Dienstleistern wie WordPress.com oder Medium.com oder sie verwalten ein Forum, ein Social Network oder einen Spieleserver. Im Fall kostenpflichtiger Dienste kann es passieren, dass diese nach dem Tod des Verantwortlichen abgeschaltet werden oder nicht mehr erreichbar sind – etwa, weil die Kosten für eine Domain nicht mehr bezahlt werden.

Bei selbstgehosteten Inhalten können Zahlungsausfälle darüber hinaus dazu führen, dass Daten gelöscht werden, weil der Webspace-Vertrag endet. Andererseits können Daten, die nach dem Willen des Verstorbenen oder der Hinterbliebenen aus dem WWW verschwinden hätten sollen, weiterhin auffindbar sein. Wer einen digitalen Nachlass zu verwalten hat, muss sich also auf jeden Fall Gedanken um hinterlassene Websites und Blogs machen.

Wie kann man die Seiten des Verstorbenen erhalten?

Der Verstorbene hat möglicherweise viel Zeit und Energie in eine Webprojekt gesteckt und gute Inhalte generiert. Daher möchten viele Angehörige, aber auch andere an den Projekten Beteiligte, dafür sorgen, dass Websites verfügbar bleiben.

Zum Erhalt der Seiten besteht einerseits die Möglichkeit, die Verträge bei bestehenden Dienstleistern zu übernehmen. Normalerweise werden diese Verträge vererbt, aber es schadet nicht, mit den Providern Kontakt aufzunehmen, um sicherzugehen und das Erbe zu regeln.

Andererseits können Seiten auch umgezogen werden, um sie dauerhaft an einem anderen Ort zu speichern und ggf. auch zu verändern. Dazu wird die Seite auf einem anderen Server gespeichert und ist durch den “neuen Besitzer” editierbar. Dieser Weg bietet sich an, wenn man einen inhaltlich abweichenden Gedenkauftritt gestalten oder die Arbeit des Verstorbenen fortsetzen möchte.

Dokumentation der Website des Verstorbenen

Grafik einer ListeSofern den Hinterbliebenen daran gelegen ist, das digitale Erbe zu bewahren, sollten sie zuallererst den Ist-Zustand dokumentieren. Unbedingt sollte man alle Webseiten, Blogs und sonstigen Angebote des Verstorbenen in eine Liste aufnehmen. Danach sollten möglichst viele Informationen gespeichert werden, zum Beispiel, indem man Websites tatsächlich „speichert“ (durch Strg-S oder Datei -> Speichern unter … im Browser) oder den Quelltext der Seiten kopiert. Hierbei können allerdings durchaus Informationen verloren gehen, bspw. Bilder, die nicht auf der Website selbst, sondern auf Seiten außerhalb gelagert sind.

Wer weiß, was er tut, und Zugriff auf die (S)FTP-Zugangsdaten des Verstorbenen hat, kann auch einfach ein Backup des gesamten Servers erstellen. Dies sichert allerdings keine Datenbanken.

Technisch weniger Versierte sollten sich hierbei Hilfe holen – z.B. technisch bewanderte Freunde oder notfalls auch professionelle Dienstleister. Erste Hilfe geben wir gerne auch unter info@digital-danach.de.

Selbst- oder fremdgehostet?

Die nächste Frage ist: Wo liegen die Inhalte? Liegen sie auf einem Server, den der Verstorbene gemietet hatte? Oder befinden sie sich auf dem Angebot eines Dritten? Man spricht hier davon, wer der „Hoster„, der „Gastgeber“, der Seite ist.

Die bloße „Internetadresse“, also die URL, gibt darüber noch nicht zwingend Auskunft. So kann www.mein-eigenes-blog.de sowohl auf den eigenen Server verweisen, wie auch auf ein Blog, das bei WordPress.com oder blogger.com gehostet ist (so der Fachbegriff).

Sofern die Hinterbliebenen Zugriff auf die Kontobewegungen des Verstorbenen haben, können hier eventuelle Gebühren so genannter „Hosting-Provider“ verfolgt werden. Dies ist meist der schnellste Weg, um herauszufinden, „wo“ die Daten lagern.

Recherche bei Informationsdiensten und Anbietern

Eine andere Möglichkeit, den Server eines Webauftritts zu finden, führt – jedenfalls bei eigenen Domains – über Network Information Centers wie die www.denic.de. Dort lässt sich eine Informationsabfrage zu einzelnen Domains starten. In diesen finden sich zwei wesentliche Bestandteile: Der administrative Ansprechpartner (Admin-C) ist im Normalfall der Verstorbene. Als technischer Ansprechpartner ist meistens eine Hosting-Agentur eingetragen. Nicht immer, aber relativ häufig ist diese Agentur auch der Webspace-Anbieter, bei dem die Seiten gehostet sind.

denic
So sieht der Informationsauszug beim deutschen NIC aus.

Dieser Hosting-Provider ist ein guter erster Ansprechpartner, um zu klären, wie es mit dem Erhalt der Domain und ggf. auch der Sicherung von Inhalten weitergeht. Für fast alle Domain-Endungen ist unter nic.[tld] ein Informationsservice verfügar (also z.B. unter nic.com für .com-Domains oder nic.tv für .tv-Domains).

Lautet die Adresse der Website hingegen auf eine Subdomain wie beispielsweise meinblog.wordpress.com oder meinblog.tumblr.com, handelt es sich um eine fremdgehostete Präsenz. Unter www.wordpress.com und www.tumblr.com kann in diesen Fällen Kontakt aufgenommen werden, um die weiteren Schritte zu besprechen. Dies gilt auch für ähnliche Angebote.

Wie kann man Seiten löschen (lassen)?

Der einfachste Weg zur Löschung von Inhalten, die man aus dem Internet entfernen möchte, führt über den technischen Verantwortlichen eines Webauftritts. Je nachdem, in welchem Land und auf wessen Server die Seite liegt, ergeben sich unterschiedliche Abläufe, aber eine direkte Kontaktaufnahme ist im Regelfall der erste Schritt.

Und wenn man nicht weiter kommt?

Als erste Anlaufstelle geben wir gerne unter info@digital-danach.de Hinweise, an wen man sich im konkreten Fall wenden kann. (Natürlich gibt es keinen Rechtsanspruch auf diese Hilfe, aber wir tun, was wir können!)

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3 Gedanken zu “Websites und Blogs nach dem Tod ihres Betreibers finden und verwalten”

  1. Pingback: Blog Nachlass verwalten - Was passiert, wenn`s passiert.
  2. Sehr geehrte Damen und Herren, es geht um eine Vereinshomepage, die ich gemeinsam mit 1-2 ehrenamtlichen Helfern Pflegen soll. Der Besitzer ist bereits vor 4 Jahren verstorben und niemand hat sich um einen Umzug der Domain gekümmert. Die Witwe ist nicht mehr erreichbar. FTP und Backend Zugangsdaten haben wir, jedoch wurde die Seite vor gut 1 Jahr gehakt und die eigentliche Datenbank gehackt. Seitdem funktioniert Sie auf ein Minimum beschränkt. Ein update auf eine aktuelle Joomla Version ist unabdingbar und auch die Sicherheitsvorkehrungen funktionieren nur noch eingeschränkt. Ausserdem soll das Design des Webauftritt für den Verein erneuert werden was das o.g. update notwendig macht. Wie können wir hier vorgehen, damit wir einen Umzug zu einem neuen Webhoster durchführen können um die .de Domain zu erhalten?

    • Vielen Dank für Ihre Frage. Prinzipiell ist bei solchen Fragen eine Ferndiagnose relativ schwierig – ohne eingehende Analyse kann man kaum feststellen, welche Bereiche der Website migriert werden müssten und wie diese technisch realisiert werden.

      Wenn es sich um die von Ihnen verlinkte Seite der „Dortmund Giants“ handelt, scheint dafür ja ursprünglich eine Agentur (?) verantwortlich gezeichnet zu haben (b-i-s). Falls Sie bei dieser noch Ansprechpartner finden können, wird man Ihnen dort vielleicht weiterhelfen können.

      Und: Falls es Ihnen nur darum geht, an die Domain zu gelangen, sollten Sie unbedingt bei der DENIC anfragen, was Sie tun können.

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