Der digitale Grabstein: Carsten Glaser im Interview

Die Digitalisierung von Tod und Trauer macht auch vor dem Friedhof nicht Halt. Neben Angeboten wie dem Friedhofguide gibt es seit einigen Jahren auch technologisch angereicherte Grabsteine. Ein Vorreiter digitalisierter Grabmale ist Carsten Glaser (Glaser Holzkunst), der schon 2008 erste Modelle entwarf. Wir haben ihn zu den Hintergründen befragt.

Wie kamen Sie auf die Idee, Grabmale mit digitaler Technologie zu entwerfen?

Digitales Grabmal. Foto: Carsten Glaser / glaser-holzkunst.de
Foto: Carsten Glaser / glaser-holzkunst.de

Carsten Glaser: Die Idee hatte ein niederländischer Kollege, der meine Arbeit sehr schön fand. Wir haben dann gemeinsame Möglichkeiten in Herstellung und Vertrieb gesehen und los gelegt.

Wie war die Resonanz?

Unser erstes digitales Grabmal hat damals viel Aufsehen erregt und wir hatten Anfragen aus einigen Ländern. Der Medienrummel war groß, wir haben es bis ins russische Fernsehen geschafft. Hier in Deutschland waren einige Fernsehsender bei uns und haben Beiträge zum Grabmal gesendet, ZDF, RTL, Sat1 und regionale Sender. In dieser Zeit hat man sogar in Berlin einen Friedhofsteil mit Stromversorgung für die Gräber geplant! (Anm. d. Red.: Es berichteten u.a. auch Die Welt, Stern und regionale Zeitungen.

Was ist daraus geworden? Wie viele Aufträge gab es und wird diese Grabgestaltung weiter nachgefragt?

Hergestellt haben wir zu guter Letzt sieben Grabmale in Holz und Stein. Die Zahlen aus den Niederlanden kenne ich nicht genau. Ab und zu erhalten wir noch immer die eine oder andere Anfrage, auch von Steinmetzkollegen. Sehr oft herrscht hier allerdings auch ein gewisses Konkurrenzdenken unter den Kollegen – diese Erfahrung mache ich allerdings schon seit meinem Einstieg in die Grabmalbranche vor 17 Jahren. Bei diesen Aufträgen fehlt leider auch oft die Nähe zum Kunden.

Worin sehen Sie die größten Probleme in der Durchsetzung digitaler Grabmale – Friedhofsordnungen, Kosten, Bekanntheit?

Digitales Grabmal. Foto: Carsten Glaser / glaser-holzkunst.de
Foto: Carsten Glaser / glaser-holzkunst.de

Die Produktion ist sehr aufwendig. Der Preis nur für den digitalen Part liegt bei ca. 1600,- €, dazu kommt die Friedhofssatzung und die Punkte, die Sie schon aufgeführt haben.

Worauf konzentrieren Sie sich aktuell?

Mit unseren Holzgrabmalen erreichen wir eine besondere Klientel. Es ist kein üblicher Verkauf! Ich habe immer einen sehr engen Kontakt zu den Angehörigen, hierbei entstehen immer wieder neue Grabzeichen, die sich deutlich von den steinigen Kollegen abheben. Die Zufriedenheit meiner Kunden ist dabei der schönste Lohn. Da ich von Haus aus Tischler bin, erfüllt mich diese Arbeit auch sehr. Es gibt noch eine sehr starke Wertschätzung und nicht den immer nörgelnden Kunden.

Wie geht es mit digitaler Grabgestaltung Ihrer Meinung nach weiter?

Digitales Grabmal. Foto: Carsten Glaser / glaser-holzkunst.de
Foto: Carsten Glaser / glaser-holzkunst.de

Insgesamt glaube ich, dass die Zeit für die digitalen Grabsteine noch nicht gekommen ist – wenn sie dann irgendwann überhaupt einsetzt. Warum soll man auf den Friedhof gehen, wenn es doch den virtuellen Friedhof gibt, Bilder etc. kann ich auch zu Hause anschauen. Die digitalen Möglichkeiten wachsen. Der Mensch ist bequem und oft wird der Friedhofsgang eher als Pflicht, als Muss angesehen.

So ist es vielleicht auch gut, wenn man Friedhof und digitalen Nachlass, wie Sie es nennen, trennen kann. Ein Platz der Ruhe, wo dann vielleicht auch mal kein Bildschirm flimmert.

Ich verfolge diese Thema zwar noch, aber ich sehe meine Berufung bei anderen Fragestellungen. Zum Beispiel: Wie kann ich das Skateboard eines jung verstorbenen Mädchens in ein Grabmal integrieren?

Digitales Grabmal. Foto: Carsten Glaser / glaser-holzkunst.de
Foto: Carsten Glaser / glaser-holzkunst.de
Digitales Grabmal. Foto: Carsten Glaser / glaser-holzkunst.de
Foto: Carsten Glaser / glaser-holzkunst.de
Digitales Grabmal. Foto: Carsten Glaser / glaser-holzkunst.de
Digitales Grabmal. Foto: Carsten Glaser / glaser-holzkunst.de

 

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